Die Demaskierung des Björn Höcke

TV-Kritik: Schwarz-rot-goldener AfD-Irrsinn bei “Jauch”

Björn Höcke bei Jauch: "Schwarz-rot-goldener AfD-Irrsinn"

Mit einer Deutschlandfahne und kruden Theorien von vergewaltigenden Asylbewerbern hatte AfD-Politiker Björn Höcke einen oberpeinlichen Auftritt bei Jauch. Die Kritik des ARD-Talks.

Um was ging es?

Um das wichtigste Thema dieser Tage: "Pöbeln, hetzen, drohen - wird der Hass gesellschaftsfähig?", fragte Jauch und hatte neben Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der NDR-Journalistin Anja Reschke (“Panorama”) und dem saarländischen Innenminister Klaus Bouillon (CDU) mit dem thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke einen jener geistigen Brandstifter eingeladen, die mitverantwortlich dafür sind, dass es so viele Anschläge auf Asylbewerberheime gibt wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Auch das Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker ist eine Folge dieser vergifteten Atmosphäre.

Wieso war die Sendung bemerkenswert?

Weil sich Höcke zunächst einmal selbst lächerlich machte. Statt die erste Frage von Jauch zu beantworten, packte der 43-Jährige eine Deutschlandfahne aus und legte sie über seine Stuhllehne - leider falsch herum. An der Inszenierung seiner peinlichen Symbolik muss der Rechtspopulist noch arbeiten. Er wolle damit zeigen, “dass die AfD die Sprache des Volkes spricht”.

Es handelte sich übrigens um jene schwarz-rot-goldenen Fahne, die noch im letzten Jahr Millionen Deutsche begeistert schwangen, nachdem eine vor allem mit Einwandererkindern bestückte Fußballnationalmannschaft Weltmeister geworden war. Höcke hingegen wetterte in einem Einspieler gegen “Kanaksprach” redende Türken in Berlin. Erfurt, so forderte er vor seinen Anhängern in Thüringen, solle deutsch bleiben. Während Syrer noch Syrien hätten, hätten die Deutschen bald keine Heimat mehr. Und die “Angstträume” von blonden deutsche Frauen würden immer größer. Auf Nachfrage entschuldigte er sich: Auch “Brünette und Rothaarige” müssten Angst haben, vergewaltigt zu werden. Den Beweis, dass männliche Asylbewerber mehr Sexualstraftaten begehen als deutsche Männer, blieb Höcke natürlich schuldig. Es ist kaum zu glauben, dass nach dieser Sendung ein klar denkender Mensch noch AfD wählen kann.

Wer ist dieser Björn Höcke eigentlich?

In der Region kein Unbekannter. Der gebürtige Lünener studierte unter anderem in Marburg und war bis zu seinem Einzug in den thüringischen Landtag Oberstudienrat an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Selbst der konservativen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry ist der vierfache Vater, der im Eichsfeld lebt, bisweilen zu weit rechts. Sie kritisierte Höcke, weil er die These aufstellte, nicht jedes NPD-Mitglied sei extremistisch. Geht es nach Höcke, gibt es offensichtlich nur besorgte Bürger.

Was hatten die anderen Gäste zu sagen?

Justizminister Maas bezeichnete Höckes Sprüche als “widerlich” und nannte sie ein “Beispiel für einen rhetorischen Brandstifter”. Im Gegenzug musste er sich von dem Rechtsaußen neben ihm anhören, seine “Ideologie” erinnere an die “Endphase der DDR”. Wenn man Höcke richtig versteht, ist Deutschland schon mitten drin im Untergang. “Panorama”-Moderatorin Reschke zitierte aus Hass-Mails, die sie nach einem “Tagesthemen”-Kommentar bekam, und wies daraufhin, wie bescheuert der Vorwurf der “Lügenpresse” ist: “Sie sitzen doch hier in der prominentesten Talkshow”. Und Bouillon berichtete von einer Flüchtlingsunterkunft, in der er mehrere Wochen verbracht hat. Sein Fazit: Die Integration werde nicht einfach sein, aber “wir schaffen das.” Als Höcke ihn zum Kronzeugen seiner kruden Theorien machen wollte, fragte er: “Wollen Sie mich verarschen?” Daraufhin warf der AfD-Mann dem Christdemokraten mit gespielter Entrüstung vor, keine Manieren zu haben. Höcke, der Oberspießer.

Was lernen wir aus dieser Sendung?

Zum einen, dass es richtig war, jemanden wie Höcke eingeladen zu haben. Nach der Sendung meldeten sich zwar Politiker wie Bärbel Bas. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion kritisierte, dass der AfD-Mann eine so große Öffentlichkeit bekam. Aber eine Demokratie muss auch Rechtspopulisten in einer Talkshow aushalten. Sie gehören zu diesem Land - leider. Zum anderen ahnt man, dass Jauch auch in seinen letzten Wochen bei der ARD kein guter Talk-Moderator mehr wird. Viel zu selten unterbrach er die hitzige Debatte. Bisweilen erinnerte er an den großen Erich Böhme, der sich einst bei Sat.1 vom österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider hatte vorführen lassen. Bei Twitter kommentierte ein Zuschauer: “Weiß gar nicht, was ihr immer für ein Problem mit Jauch habt. Anja Reschke moderiert das doch sehr gut.”

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.