Er ist überall zuhause: Weltmusiker Hamid Baroudi

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Gefragter Musiker: Hamid Baroudi (links) beim Konzert mit Peter Gabriel in London.

Er arbeitet mit Stars wie Peter Gabriel zusammen und ist am liebsten doch in Kassel: Hamid Baroudi ist ein Vorreiter der Weltmusik. Nun spielt er mit Freunden im Theaterstübchen.

Kassel. Hamid Baroudi hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Musik die Welt verändert. Einmal saß der Kasseler Musiker im Flugzeug, als ein Mädchen ein Autogramm von ihm wollte. Sein Nebenmann reagierte pikiert. Vielleicht wäre daraus ein Streit geworden, aber dann kamen der Deutsch-Algerier und der US-Amerikaner ins Gespräch. Schließlich sangen sie gemeinsam Otis Reddings „(Sittin’ On) The Dock Of The Bay“.

Musik, sagt Baroudi, „kann alles verändern“. Am Wochenende bringt seine Musik erst einmal die Welt nach Kassel. Samstag und Sonntag gibt der 52-Jährige mit Freunden gleich zwei Konzerte im Theaterstübchen. Der Gitarrist und Sänger steht mit Kasseler Musikern wie Stephan Emig (Schlagzeug) und Till Mertens (Piano) sowie internationalen Gästen auf der Bühne: Die Percussionisten Rhani Krija (Marokko) und Samory Seck (Senegal) treten sonst mit Stars wie Sting und Youssou N’Dour auf.

Gemeinsam spielen sie Songs von Baroudis neuem Album, das im Juni erscheinen soll. Ein vierminütiges Video dazu hat der Absolvent der Kasseler Kunsthochschule an der algerisch-malischen Grenze zwischen Tuareg-Kriegern gedreht. Im Mittelpunkt des eindrucksvollen Clips steht das nordafrikanische Streichinstrument Imzad, das nur von Frauen gespielt wird.

Baroudi hat die westliche Welt schon immer mit Klängen aus Afrika vertraut gemacht. Als er Anfang der 80er nach Europa kam, coverte er als Straßenmusiker Songs von Bob Dylan. „Die Musik meiner Heimat hat hier niemanden interessiert“, sagt er. In den 90ern experimentierten bekannte Namen wie Brian Eno mit afrikanischer Musik und traten eine Welle los. Baroudi surfte mit - erst mit seiner Band Dissidenten, dann solo.

Er arbeitete mit Künstlern wie Peter Gabriel und DJ Krush aus Japan zusammen, Hollywood-Stars wie Meryl Streep pilgerten zu seinen Konzerten. In Algerien wird Baroudi bis heute auf der Straße erkannt. Zuletzt bereiste er mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Maghreb-Staaten. Derzeit dreht er eine Kino-Doku über das Genre Weltmusik.

Der Lockenkopf ist ein Botschafter zwischen den Welten, der in fünf Sprachen singt und sich in Kassel am wohlsten fühlt: „In Paris und Berlin war es mir zu hektisch. Ich brauche Ruhe, um kreativ zu sein.“

Zuletzt stand er im Copy-Laden im Vorderen Westen, als jemand hinter ihm fünf Kopien machte. Aus dem Rhythmus der Maschinen bastelte er einen Song - ganz ohne Samples. Manchmal verändert Musik die Welt und manchmal ist es umgekehrt.

Hamid Baroudi & Friends: Samstag und Sonntag, 20 Uhr, Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person

Geboren:  am 21. Februar 1963 in Tiaret (Algerien)

Ausbildung:  Studium der Visuellen Kommunikation in Kassel

Karriere: Baroudi war mit der Band Dissidenten erfolgreich. 1994 erschien sein Solo-Debüt

Privates: Lebt mit seiner Freundin im Vorderen Westen von Kassel und betreibt die Eisdiele Kuka am Wehlheider Platz

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