„Weimarer Appell“

Promis fordern Hilfe für Bibliotheken und Archive

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Prominente fordern Hilfe für Bibliotheken und Archive, etwa für die Anna Amalia Bibliothek in Weimar (Foto).

Weimar - Zerfallenes Papier, marode Einbände: Große Bibliotheken und Archive fürchten um ihre Bestände. Jetzt haben sie einen „Weimarer Appell“ verabschiedet.

Große Bibliotheken und Archive haben in einem „Weimarer Appell“ mehr Geld für den Erhalt alter Dokumente und Bücher gefordert. Modedesigner Karl Lagerfeld, Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Verlegerin Friede Springer unterstützen die Erklärung und setzten ihre Unterschrift darunter. Originale der kulturellen und wissenschaftlichen Überlieferung müssten genauso gesichert werden wie Baudenkmäler, heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Aufruf.

„Die Initiative sollte unserer Meinung nach vom Bund ausgehen“, sagte der Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, Michael Knoche, der Nachrichtenagentur dpa. Die Kulturhoheit liege zwar bei den Bundesländern, diese seien aber finanziell überfordert. Alle Bücher, die bis zum Jahr 1850 erschienen seien, müssten erhalten bleiben. Bei jüngeren, mehrfach vorhandenen Büchern müssten sich Bibliotheken absprechen, wer ein Exemplar konserviere.

Wichtig seien richtige Lagerbedingungen, also etwa 18 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit in den Magazinen, erklärte Knoche. Gehörten Objekte zum national wertvollen Kulturgut, müssten sie gepflegt und wenn nötig restauriert werden. Altes Papier müsse vor Zerfall gerettet und historische Einbände müssten restauriert werden. Dafür fehlten generell in Bibliotheken und Archiven die Mittel.

Trotz Digitalisierung die Originale erhalten

„Es geht nicht mehr weiter, dass man nur Privatleute anbettelt und sagt: „Könnt ihr nicht die Buchpatenschaft für dieses oder jenes besondere Stück übernehmen?““, kritisierte Knoche. Das sei auf Dauer keine Lösung. Trotz fortlaufender Digitalisierung müsse es möglich sein, Originale zu erhalten. Ein Leser könne nur so die Papierqualität, die Typographie oder farbige Kupferstiche einschätzen. Zuvor hatte auch die Archivarin der Universität Münster, Sabine Happ, den Erhalt von Originalquellen gefordert.

Getragen wird der Appell, der im Internet unterzeichnet werden kann, von der „Allianz schriftliches Kulturgut erhalten“. Ihr gehören zwölf große Bibliotheken und Archive in Deutschland an. Seit dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004 ruft der Zusammenschluss jedes Jahr zu einem Nationalen Aktionstag für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts auf.

Zu den elf prominenten Erstunterzeichnern des Appells zählen auch Filmemacher Wim Wenders, Geigerin Anne-Sophie Mutter und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der den Aufruf am Samstag vorstellte.

Nach Schätzung Knoches haben rund 40 Bibliotheken in Deutschland Bücher in ihrem Bestand, die vor 1850 erschienen sind. Hinzu komme eine Vielzahl von Archiven, die alte Dokumente verwalteten. „Wir sind der Meinung, dass eine Stadtgründungsurkunde, eine alte Landkarte, eine Notenhandschrift, das Fotoalbum eines Exil-Schriftstellers unverwechselbare Zeugnisse unserer Kulturgeschichte sind“, sagte er.

Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) unterstützte den Aufruf. Bei dem Bibliotheksbrand in Weimar waren 50 000 Bücher vernichtet und 62 000 beschädigt worden. Danach sei es nicht nur gelungen, die Bibliothek wieder herzurichten und wertvolle Bücher zu restaurieren. „Wir haben auch viel Knowhow gesammelt und ein enges Netzwerk geknüpft, um unser kulturelles Erbe sicher zu bewahren und zu pflegen“, sagte er laut Mitteilung der Klassik Stiftung Weimar.

dpa

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