Heiße Luft im Gasometer: Eine Kritik an Günther Jauchs ARD-Talk

Teuerster ARD-Talker: Seit 2011 moderiert Günther Jauch den Sonntags-Talk im Ersten. Ein guter Fragesteller ist er nicht. Foto: dpa

Er sollte das Profil des Ersten schärfen und kostet der ARD 4487,18 Euro pro Minute: Der sonntägliche Talk von Günther Jauch hält nicht, was er verspricht. Eine Abrechnung.

Diese Woche lief im Digitalkanal tagesschau24 der Beweis, dass Günther Jauch ein guter Zuhörer sein kann. Für eine Best-of-Ausgabe seines ARD-Polittalks hatte die Redaktion Ausgaben zusammengeschnitten, in denen es um das Sterben ging. Jauch befragte etwa Krebspatienten, die unheilbar krank sind.

Es waren bewegende Momente, von denen es in seinem sonntäglichen Talk viel zu wenig gibt. Denn Jauch ist ein guter Zuhörer, wenn es um menschliche Schicksale geht. Das hat er zuvor schon bei „stern TV“ bewiesen. Aber seine Sendung im Ersten ist ein Polittalk, und da zeigt sich fast jede Woche, dass Jauch nicht nachhakt, ja, oft nicht einmal zuzuhören scheint, was seine immer gleichen Gäste sagen.

Das konnte man etwa in den vergangenen Monaten sehen, als sich Jauch erst vom Berliner Quassel-Imam Abdul Adhim Kamouss in Grund und Boden reden ließ. Zuletzt wurde er vom griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis vorgeführt.

Um die Schwächen des 58-Jährigen wissen sie auch bei der ARD, die den prominentesten deutschen TV-Moderator 2011 für viel Geld beim Konkurrenten RTL eingekauft hatte, um das Profil zu schärfen, wie es damals hieß. Doch schon nach einem Jahr kam der ARD-Programmbeirat zu einem vernichtenden Urteil. „Herr Jauch“, hieß es in einem Papier von Gremienvertretern aller ARD-Anstalten, „hakt selten nach und setzt sich sogar teilweise über die Antworten seiner Gäste hinweg“. Er hake „eine Frage nach der anderen ab“ und gehe „einer ihm nicht genehmen Gesprächsentwicklung und Konflikten aus dem Weg“. Geändert hat sich in der staatstragenden Show aus dem Gasometer in Berlin-Schöneberg seitdem nichts.

Für den Autor Nils Minkmar („FAZ“) erfüllt „die Sendung nicht einmal minimale Erwartungen. Die Gäste sind vorhersehbar, die Gespräche konfus, der Moderator gänzlich uninteressiert. Das Gasometer ist ein Gefäß sonntäglicher Irrelevanz.“ Der legendäre Sat.1-Talker Erich Böhme bot früher Gesprächsstoff für eine ganze Woche. Jauch hat man schon vergessen, wenn er am Montagabend wieder „Wer wird Millionär?“ bei RTL moderiert.

Zudem ist das inhaltlich wenig ertragreiche Format teuer. Mehr als zehn Millionen Euro soll die ARD jedes Jahr Jauchs Produktionsfirma I & U bezahlen. Angeblich bleibt mehr als eine Million für Jauch selbst. Sein Minutenhonorar, hat der „Stern“ ausgerechnet, beträgt 4487,18 Euro. Dabei hat das Erste doch herausragende Talker wie Frank Plasberg, Anne Will und Sandra Maischberger. Sie alle können Fragen stellen, nachhaken und sehr gut zuhören. ARD, Sonntag, 21.45 Uhr

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