Landgraf lud zum Kartoffelessen

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Farbenfroh: Beim alljährlichen Festzug gibt es immer schöne Anblicke zu bewundern, wenn die Teilnehmer, ob alt oder jung, in ihren Trachten auf prächtig geschmückten Wagen vorbeiziehen.

Schwalmstadt. In die Zeit der leutseligen Hofhaltung des Landgrafen Karl im Schloss von Ziegenhain fällt die Entstehung der Ziegenhainer Salatkirmes. Der Landgraf wollte die Bauern für den Anbau von Kartoffeln gewinnen, vorher war noch Hirse eines der Hauptnahrungsmittel.

Und so lud er die Schwälmer Bauern nach Ziegenhain ein. Es wurden Kartoffeln und Salat gereicht und man trank Bier dabei. Wenn auch die Bauern von den Kartoffeln noch nicht begeistert waren, so schmeckte ihnen der Salat doch ausgezeichnet, und sie ließen sich auch für den Kartoffelanbau gewinnen.

Fest zur Erinnerung an Salatessen im Jahr 1728

Zur Erinnerung an das fröhliche Salatessen im Jahre 1728 feiert man jedes Jahr zwei Wochen nach Pfingsten die Salatkirmes – in diesem Jahr vom 27. bis 30. Mai.

Die Bevölkerung der Schwalm traf sich in Ziegenhain mit Verwandten, Freunden und Bekannten. Da die Schwälmer nicht nur feste arbeiten, sondern auch Feste feiern konnten, entstand ein echtes Volksfest. Nicht nur ein Ziegenhainer Fest, sondern „das Fest der Schwalm“: Es zeigt die Verbundenheit von Stadt und Land. Diese Verbundenheit hat die Landgrafschaft, das Kurfürstentum, das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die Diktatur überdauert. In einer friedlichen Zeit des Aufbaues, zwischen dem Dreißigjährigen und dem Siebenjährigen Krieg entstanden, hat die Ziegenhainer Salatkirmes durch gute und schlechte Zeiten hindurch an Tradition gewonnen. Auch nach dem Zusammenbruch von 1945 fand man sich in Ziegenhain, kaum aus der Gefangenschaft zurückgekehrt oder als Vertriebener neu in der Schwalm angesiedelt, beim frohen Fest zusammen, um in alter und neuer Verbundenheit zu feiern.

Viele helfende Hände

Geplant wird das Fest im Kirmesausschuss. Ihm gehören neben Vertretern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, der Vorsitzende der Burschenschaft Ziegenhain, der Ortsvorsteher des Stadtteils Ziegenhain und so genannte „sachkundige Einwohner“ an. Ohne die tatkräftige Mitarbeit der vielen Ehrenamtlichen wäre die Organisation des großen Volksfestes jedoch undenkbar. Allein Hunderte sind jährlich am Festzug beteiligt, Mitglieder Schwälmer Vereine stellen sich dem jeweiligen Motto und liefern wunderschöne Bilder – überwiegend in Tracht. Aber auch die Moderne hat Einzug in den Zug gehalten, sodass er auch junge Besucher anspricht. (zsr)