Mehr als ein Viertel der Kinder in Deutschland sind innerhalb ihrer Familie mit Demenz konfrontiert

Immer mehr Betroffene

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Demenzerkrankungen innerhalb der Familie erleben Kinder sehr unterschiedlich: Ihre Gefühle reichen von Angst bis zum Erleben von mehr Familienzusammenhalt.

Etwa 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind in ihrer eigenen Familie von Demenz betroffen.

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 Für viele ist dies mit Belastungen verbunden, wie eine in Berlin veröffentlichte Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ergab. 58 Prozent macht es traurig, wie sich der Erkrankte aus ihrer Sicht verändert. 30 Prozent sind demnach unsicher, wie sie mit dem Betroffenen umgehen sollen. Und jeder vierte Minderjährige äußert Angst, dem Verwandten könne etwas zustoßen. „Demenz betrifft auch junge Angehörige“, erklärte ZQP-Vorstandschef Ralf Suhr. „Die Erkrankung auf ein ausschließliches Altersphänomen zu reduzieren, ist falsch.“ Die Aufklärung über Alzheimer und Demenz müsse daher daher bereits altersgerecht zum Beispiel im Kindergarten oder in der Schule beginnen.  Die Befragten berichteten aber auch von positiven Erfahrungen. 15 Prozent gaben an, viel durch den Umgang mit an Demenz erkrankten Angehörigen zu lernen. Fast jeder Siebte erklärte, durch die Krankheit einen stärkeren Familienzusammenhalt wahrzunehmen. Befragt wurden etwa tausend Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Das ZQP ist eine vom Verband der Privaten Krankenversicherung eingerichtete Stiftung.

Der diesjährige Weltalzheimertag steht unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“. In Deutschland leben derzeit etwa anderthalb Millionen Demenzkranke. Zwei Drittel von ihnen haben die häufigste Form – die Alzheimerkrankheit. Bis 2050 wird die Zahl der Demenzkranken Experten zufolge auf rund drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Angesichts des demografischen Wandels mit mehr Erkrankten und immer weniger personellen und finanziellen Ressourcen werde Demenz „zu einer der größten Belastungen für das Gesundheits- und Sozialwesen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Hirnliga, Deutscher Alzheimer-Gesellschaft und Deutscher Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP).

Krankheit verlangsamen

„Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimerkrankheit heilen kann“, erklärte Isabella Heuser von der Hirnliga. Durch eine frühzeitige Diagnose und eine rechtzeitige Behandlung könne der Verlauf der Krankheit aber verlangsamt werden. Auch sei bekannt, dass die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck das Risiko, an Demenz zu erkranken, senkt.

Neue Untersuchungen zeigen Heuser zufolge auch, dass in manchen Ländern die Erkrankungszahlen nicht mehr so stark steigen wie erwartet. Ein Grund dafür scheine eine bessere Ernährung zum Beispiel mit mediterraner Kost und mehr Bewegung zu sein.

Die Experten forderten eine bessere gerontopsychiatrische Ausbildung aller Ärzte, die ältere Menschen behandeln. Dadurch könnte auch die „Trefferquote“ bei der Diagnose von Demenzerkrankungen erhöht werden. (tmn)