Flüchtlinge: Geringe Zahl meldepflichtiger Krankheiten

Erstuntersuchung: Ein Kinderarzt untersucht in einer Erstaufnahmeeinrichtung den acht Jahre alten Mustafa aus Syrien. Foto:  dpa

Kassel. Sie kommen aus Kriegsgebieten und oft aus Ländern mit einer schlechten medizinischen Versorgung.

Und viele der Flüchtlinge, die in den vergangenen Wochen eine sichere Zuflucht in Stadt und Landkreis Kassel gefunden haben, blicken auf eine lebensgefährliche Flucht zurück. So leiden Asylsuchende häufig unter psychischen Traumata und auch Verletzungen. Erstaunlicherweise scheint jedoch die Zahl der ernsten und meldepflichtigen Infektionen angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen relativ gering zu sein.

So wurden dem Gesundheitsamt Region Kassel seit Juli drei Fälle von Infektionen mit Rotaviren, die Durchfall und Erbrechen auslösen können, drei Erkrankungsfälle mit Windpocken und vier Fälle mit Tuberkulose (bakterielle Lungeninfektion) aus den Erstaufnahmeeinrichtungen gemeldet, wo die Asylsuchenden erstuntersucht werden.

Karin Müller

„Diese Zahlen sind bislang sehr gering“, sagt Amtsleiterin Dr. Karin Müller. So sei die Gefahr, sich bei Flüchtlingen anzustecken, entsprechend klein. Es gebe zwar immer wieder Verdachtsfälle auf Tuberkulose, wobei die Patienten stets gründlich in Lungenfachkliniken untersucht würden, doch bestätigten sich diese meist nicht. Nichtsdestotrotz seien die seit dem Jahr 2000 eigentlich deutlich rückläufigen Tuberkulosefälle seit 2011 wieder um mehr als das Sechsfache gestiegen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden im Kasseler Stadtgebiet 25 Fälle gemeldet. Tuberkulose kommt auch in Ländern wie der ehemaligen Sowjetunion vor.

In den Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen Hunderte Menschen auf engem Raum leben, kämen am häufigsten Krätze und Kopfläuse vor, erläutert die Amtsärztin: „In Schulen und Kitas gibt es teilweise höhere Zahlen von Fällen mit Kopfläusen als insgesamt in den Flüchtlingseinrichtungen.“ Kopfläuse haben vor allem nach den Sommerferien und zu Beginn der Mützenzeit Saison und nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Wie auch in anderen Gemeinschaftseinrichtungen sei im Winter damit zu rechnen, dass es Ausbrüche von Noroviren-Infektionen (mit Brech-Durchfällen) geben könne. Um gefährliche Erkrankungen wie Masern oder Kinderlähmung zu verhindern, würden vorrangig die Flüchtlingskinder gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission geimpft. Dabei würden die Flüchtlinge im Beisein von Dolmetschern von Ärzten über die freiwilligen Impfungen aufgeklärt, erläutert Katharina Pradl vom zuständigen Regierungspräsidium Gießen.

Ein ausreichender Impfschutz sei aber auch für alle anderen Kinder und Erwachsene wichtig, appelliert Karin Müller. So können beispielsweise Rotaviren insbesondere Säuglingen sehr gefährlich werden.

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