– Spendenfinanzierter Kurs ab Januar

Caritas will 20 junge Flüchtlinge auf Hauptschulabschluss vorbereiten

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Mützenkauf unterstützt Bildungsprojekt: Caritas-Mitarbeiterin Susanne Denzel, die auch bei Karibu engagiert ist, die beiden jungen Flüchtlinge Mohammed Ali und Guled Osman sowie Nathalie Dettmar und Hacer Toprakoglu von der Caritas präsentieren die gehäkelten Mützen. Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Projekt „Meine Chance“ für junge Flüchtlinge zugute.

Kassel. Mohammed Ali hat einen Traum: Er möchte gern Schreiner werden. Der 19-jährige Flüchtling aus Somalia lebt seit zwei Jahren in Kassel. Als er 2013 auf sich allein gestellt in Deutschland ankam, glaubte man ihm jedoch nicht, dass er noch minderjährig ist. Der Besuch einer Schule blieb ihm verwehrt.

Jetzt will die Caritas ihm und 19 weiteren jungen Flüchtlingen ermöglichen, den Hauptschulabschluss zu machen.

„Meine Chance“ heißt das Projekt, das im Januar startet. Die Kosten in Höhe von 60.000 Euro müssen über Spenden und Stiftungsgeld finanziert werden. Innerhalb von 16 Monaten sollen die Teilnehmer im Alter von 16 bis 25 Jahren auf den externen Hauptschulabschluss vorbereitet werden. Neben dem Unterricht absolvieren sie ein Praktikum in einem Betrieb, um sich mit der Berufswelt vertraut zu machen – und im besten Fall dort im Anschluss vom Praktikanten zum Azubi zu werden.

Die Caritas bietet seit vielen Jahren Beratung für Flüchtlinge und Migranten an. Als Bildungsträger ist der katholische Sozialverband dabei noch nicht aufgetreten. „Wir machen es aus der Not heraus, weil wir unseren jungen Leuten sonst schlicht keine Angebote machen können“, sagt Nathalie Dettmar vom Jugendmigrationsdienst der Caritas. Für über 16-Jährige gilt nach derzeitigen Regeln keine Schulpflicht mehr. Die meisten jungen Flüchtlinge, die hier ankommen, haben aber kein Bildungsniveau wie 16-Jährige, die hier aufgewachsen sind.

Mohammed Ali konnte in seiner Heimat Somalia drei Jahre lang die Schule besuchen. Auf der Flucht hat er später in der Türkei schon als Schreiner und Zimmermann gearbeitet. „Einen kleinen Schrank kann ich schon bauen“, sagt der 19-Jährige, der schon gut Deutsch spricht. Sein Freund und Mitbewohner Guled Osman, der ebenfalls aus Somalia stammt, ist vor seiner Flucht neun Jahre zur Schule gegangen. Doch einen Abschluss kann der 20-Jährige nicht vorweisen.

Auch er wird ab Mitte Januar jetzt bei der Caritas die Schulbank drücken. Er freut sich darauf, etwas lernen zu dürfen. „Wir haben eine Chance und wollen sie nutzen“, sagen die beiden jungen Männer, die bereits einen Deutschkurs der Caritas besucht haben – aber darüber hinaus außer Hoffen und Warten nichts machen konnten. „Wenn man jahrelang zum Nichtstun verdammt ist, kann die anfängliche Motivation auch in Resignation umschlagen“, sagt Dettmar. Dem will die Caritas mit ihrem Projekt gegensteuern und den jungen Menschen eine Perspektive geben.

Um Unterstützer zur Finanzierung des Vorhabens zu gewinnen, haben Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Caritas in ihrer Freizeit über 80 Mützen gehäkelt, die im Weltladen Karibu gegen eine Spende abgegeben werden. Wer eine „Carimütze“ trägt, ist sozusagen Bildungsträger.

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