940 weitere Plätze für Flüchtlinge in Kassel

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Flüchtlingsunterkünfte in Kassel

Kassel. Die Notunterkunft an der Leipziger Straße muss die Stadt Kassel dieses Jahr nicht mehr in Betrieb nehmen. Dennoch ist Sozialdezernent Christian Geselle froh, einen Puffer in der Hinterhand zu haben.

Wenn die Plätze in den bestehenden Gemeinschaftsunterkünften alle belegt sind, können in dem ehemaligen Schuhgeschäft in Bettenhausen bis zu 150 Menschen ein Dach über dem Kopf bekommen.

Der Status quo 

Christian Geselle

Aktuell ist die Stadt Kassel für 1950 Asylbewerber zuständig - das heißt, sie muss sie unterbringen und versorgen. Der Großteil von ihnen lebt noch in Gemeinschaftsunterkünften. Derzeit hat die Stadt sieben größere Unterkünfte in Betrieb, hinzu kommen 30 kleinere Unterkünfte. Dieses Jahr werden keine neuen Flüchtlinge mehr erwartet. Die nächste Zuweisung ist für den 6. Januar angekündigt - dann sollen 70 neue Flüchtlinge kommen.

Die Planung 

Die Stadt richtet sich auf einen weiteren Anstieg der Zuweisungszahlen ein. Sie rechnet mit durchschnittlich 100 neuen Flüchtlingen pro Woche. „Wir kalkulieren dabei großzügig - wenn es weniger sind, umso besser“, sagt Sozialdezernent Geselle. Im ersten Quartal werden nach seinen Angaben 940 zusätzliche Plätze in Gemeinschaftsunterkünften entstehen.

Allein 280 Plätze entstehen im ehemaligen Nixdorf-Gebäude direkt am Platz der Deutschen Einheit. Zudem wird die im Dezember in Betrieb gegangene Unterkunft in der Fichtner-Oestmann-Siedlung um 120 Plätze erweitert. Zudem werden über das Stadtgebiet verteilt weitere Kleinunterkünfte eröffnen.

„Unsere Immobilienfahndertruppe ist permanent auf der Suche nach neuen potenziellen Standorten“, sagt Geselle. Zudem setze man alles daran, Flüchtlinge aus den Sammelunterkünften in normale Wohnungen zu vermitteln, damit wieder Plätze für Neuankömmlinge frei werden.

Neubauten 

Dennoch werde man - sofern die Zahlen so hoch ausfallen wie vermutet - die nötigen Kapazitäten allein in Bestandsbauten nicht bereitstellen können. „Wir müssen zusätzlich bauen“, sagt der Sozialdezernent. Man sei bereits im Gespräch mit Wohnungsbaugesellschaften und privaten Investoren. Die Stadt setzt weiter darauf, Flüchtlingsunterkünfte anzumieten. „Damit wir nicht eines Tages, wenn die Flüchtlingskrise vorbei ist, zahlreiche leer stehende Immobilien im Portfolio der Stadt haben“, so Geselle.

Bei der Planung von Neubauten lege man großen Wert darauf, dass sie später auch anderweitig nutzbar seien. Beispielsweise als Studentenwohnheim oder normales Apartmenthaus. Mögliche Standorte wollte der Sozialdezernent noch nicht nennen.

Nach Informationen der HNA soll das Gelände an der Bunsenstraße, das vor zwei Jahren bereits als Standort für eine Container-Unterkunft im Gespräch war, nun bebaut werden - mit einem festen Gebäude.

Kaum einer will die Männer

Vermittlung in Wohnungen hilft, Platz in Heimen zu schaffen

Auf über 6000 neue Flüchtlinge richtet sich der Landkreis Kassel für das kommende Jahr ein. Man gehe davon aus, dass pro Woche bis zu 140 Menschen kommen, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Zuletzt waren es 100 pro Woche. Statt einmal gebe es künftig zweimal wöchentlich Ankunftstermine, mittwochs und freitags. Damit immer wieder Plätze für Neuankömmlinge frei werden, bemühe man sich, die Flüchtlinge möglichst zügig in privaten Wohnraum zu vermitteln. „Bei Familien klappt das schon gut, bei alleinreisenden Männern sind Vermieter leider oft zurückhaltend“, sagt Kühlborn.

Auch wenn es gelingt, die Verweildauer in den Gemeinschaftsunterkünften kurz zu halten, sieht sich der Landkreis auch auf Neubauten angewiesen, um die vielen Menschen unterbringen zu können. „Die Kapazitäten im Bestandsbau sind erschöpft“, sagt Kühlborn, „die geeigneten leer stehenden Immobilien sind fast alle vom Markt.“ Wo neue Gebäude entstehen könnten, wollte er noch nicht sagen. Wie die Stadt achtet der Kreis darauf, dass die Gebäude, wenn sie als Flüchtlingsunterkunft einmal ausgedient haben, auch für andere Zwecke genutzt werden können.

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