Anschlag auf Asylbewerberheim: Angeklagte schuldig gesprochen

Marburg. Nach dem Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Wohratal im Januar sind vier junge Männer vom Jugendschöffengericht Marburg schuldig gesprochen worden. Sie erhielten eine zweijährige Bewährungsstrafe und zwei Wochen Dauerarrest und müssen 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Tat hatte sich in der Nacht auf den 12. Januar 2014 ereignet: Die Täter waren in das Asylbewerberheim eingedrungen und hatten einen Sachschaden von mehreren tausend Euro angerichtet. Die ersten Notrufe verängstigter Bewohner erreichten die Polizei um 4.35 Uhr. Die Täter beschädigten fast alle Jalousien des Erdgeschosses. Im Gebäude traten und schlugen sie mehrere Innentüren ein.

Verletzt wurde niemand, eine schwangere Bewohnerin des Hauses musste aber vorsorglich vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die vier Jugendlichen, zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alt, hatten die Tat am nächsten Tag gestanden, und auch vor Gericht räumten sie die Tat ein. Sie hatten vor dem Anschlag auf das Asylbewerberheim offenbar Alkohol getrunken, berichteten sie vor Gericht.

Am Montag waren sie nun wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angeklagt. Der Fall war vor dem Jugendschöffengericht verhandelt worden, weil die Angeklagten zur Tatzeit zwar schon volljährig, aber noch keine 21 waren, erklärte Marité Dilling-Friedel, Sprecherin des Amtsgerichts Marburg, gegenüber der HNA. Der Schuldspruch nach Paragraph 27 des Jugendgerichtsgesetzes sei eine Vorstufe zur Jugendfreiheitsstrafe, erläuterte die Gerichtssprecherin.

Mit der von Richter Cai Boesken am Montag ausgesprochenen Bewährung dürfen sich die vier jungen Männer nun zwei Jahre lang nichts zu schulden kommen lassen. Wird einer von ihnen erneut straffällig, landet derjenige erneut vor Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berufung ist noch möglich.

Das Asylbewerberheim in Wohratal besteht schon seit mehr als 20 Jahren. Fremdenfeindliche Aktionen habe es bisher nie gegeben, hatte Bürgermeister Peter Hartmann nach der Tat gesagt.

Von Jörg Paulus

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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