Ausstellung: Schicksal von afghanischen Frauen bewegt

Starke Stimmen: Bei der Ausstellungseröffnung in der Liebfrauenkirche (von links): Dekanin Petra Hegmann, Monika Lacher vom Runden Tisch Gewalt im häuslichen Bereich, Referentin Seema Jamshidi aus Afghanistan, Kreistagsvorsitzende Iris Ruhwedel, Beate Friedrich vom Frauenbüro des Landkreises, Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer und Pfarrerin Felicita Wickert. Fotos: Biedenbach

Frankenberg. Eine Ausstellung in der Liebfrauenkirche in Frankenberg gibt einen Eindruck von der Lage von Mädchen und Frauen in Afghanistan.

„In deinem Land werden Menschen getötet, werden Frauen und Kinder entführt. In deinem Land wird um Frieden gebetet, doch die Städte sind von Bomben zerstört.“ Mit diesen Zeilen beginnt das Lied „Hand in Hand“ von Musiklehrer Matthias Müller, das er mit dem Chor der Edertalschule bei der Eröffnung der Ausstellung über Frauen in Afghanistan erstmals vortrug.

Es wurde von den rund hundert Gästen mit viel Applaus honoriert, viele von ihnen hatten Tränen in den Augen.

Der Vortrag der jugendlichen Sänger rundete eine eineinhalbstündige Veranstaltung ab. Zuvor hatte die 19-jährige Seema Jamshidi, die vor einem halben Jahr als Flüchtling in Frankenau ankam und schnell Deutsch lernte, berichtet, wie wenig die Menschenrechte für Frauen in Afghanistan gelten. Ihre Schilderungen waren für das überwiegend weibliche Publikum - Frauenorganisationen waren Veranstalter - schwer auszuhalten.

Mädchen zwangsverheiratet

Mädchen werden mit zwölf Jahren zwangsverheiratet - in der Regel mit viel älteren Männern. Gewalt gegen Frauen und Mädchen gehören zur Tagesordnung. Dass Frauen Nase und Lippen abgeschnitten werden, ist da nur ein Detail. Scheidung ist nur mit Einverständnis der Männer möglich - die Kinder bleiben dabei immer in der Familie des Mannes. Viele weitere Beispiele nannte die junge Afghanin. Wie ist eine Änderung möglich? Das sei schwierig, Bildung gehöre dazu, Aufklärung, künstlerische Darstellungen. Auch die Männer müssten bereit sein, die archaische Tradition zu ändern, sagte die 19-Jährige, die mittlerweile ein Management-Studium in Duisburg begonnen hat. Damit auch die anwesenden Landsleute den Vortrag verstehen konnten, trug sie ihn anschließend in ihrer Heimatsprache vor.

Auch das von Musiklehrer Matthias Müller getextete Lied wurde übersetzt und auf eine Leinwand projiziert. Die jugendlichen Chormitglieder - die sichtlich berührt den Schilderungen zugehört hatten - trugen das Lied sehr eindrücklich vor und überzeugten bei Zeilen wie:

„... es ist kein Kinderspiel, ohne Sicherheit und festes Ziel, aus der Heimat zu fliehn. Nun bist zu hier und du klopfst an die Tür. Haus und Herzen öffnen wir.“

In der Ausstellung, die die Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale erstellt hat, schildern Frauen in kurzen Stellungnahmen, wie sich das Leben nach dem Sturz der Taliban verändert hat, berichten von Nöten und Hoffnungen. Veranstalter sind das Frauenbüro des Landkreises, der Runde Tisch „Gewalt im häuslichen Bereich“ sowie die evangelischen Kirchengemeinden Korbach und Frankenberg. Sie wird vom Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg gefördert.

Service: Die Ausstellung „Starke Stimmen - Frauen in Afghanistan“ ist bis 19. Juni in der Liebfrauenkirche Frankenberg, vom 21. Juni bis 3. Juli in der Kilianskirche in Korbach zu sehen.

Einen Kommentar zu der Veranstaltung lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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