Patrick Lange beim Hawaii-Ironman: Aus Bad Wildungen in die Weltspitze

Die Strecke durch die Lavawüste hat er sich schon angeschaut: Triathlet Patrick Lange (ganz links, vorn) beim Training auf Hawaii. 

Im Mai gewann der Bad Wildunger Triathlet Patrick Lange sensationell den Ironman in Texas. Nun will er bei seinem Debüt bei der Langstrecken-WM auf Hawaii unter die besten 15.

Hawaii/Bad Wildungen. Von dem Moment, den Patrick Lange gerade erlebt, hat er zum ersten Mal vor 15 Jahren geträumt. Da war der Bad Wildunger ein hoffnungsvoller Nachwuchstriathlet des CJD Oberurff und hörte, wie sein Trainer Martin Zülch vom Ironman auf Hawaii schwärmte, den er ein halbes Dutzend Mal bewältigt hatte. „Da war mir klar, dass jeder Triathlet dieses Ziel verfolgt“, sagt Lange heute.

An diesem Samstag startet der Profi des DSW Darmstadt zum ersten Mal bei der Langdistanz-Weltmeisterschaft auf der Pazifik-Insel. Dort hat der 30-Jährige in den vergangenen Tagen zahlreiche Interviews gegeben. Experten erwarten mit Spannung, wie sich der Nordhesse bei seinem Hawaii-Debüt schlägt, nachdem er im Mai beim Ironman in Texas für einen Paukenschlag sorgte: Gleich seinen ersten Langdistanz-Wettkampf über 3,8 km Schwimmen, eine um 30 km auf 150 km verkürzte Radstrecke und 42 km Laufen gewann er in 7:13:13 Stunden.

Nun will sich Lange in der Weltspitze etablieren: „Die Top 15 sind realistisch.“ Früher hätte der Physiotherapeut, der seit einigen Jahren nur vom Sport lebt, vermutlich sogar mit einem Platz unter den besten Zehn geliebäugelt. „Patrick hat sich immer hohe Ziele gesteckt. Das war seine Stärke und auch ein bisschen seine Schwäche“, sagt sein Bad Wildunger Entdecker Zülch (53).

Lange weiß selbst, dass er sich seit seinem Umstieg von der Olympischen Distanz auf die längeren Strecken oft zu viel Druck gemacht hat. Nun geht er mit Demut in den größten aller Triathlon-Wettkämpfe: „Ich will die Inselgötter nicht unnötig herausfordern.“ Das hat er nicht nur von Zülch, sondern vor allem von seinem jetzigen Trainer Faris Al-Sultan gelernt. Der Münchner schaffte es auf Hawaii neunmal in die Top Ten. Sein Sieg 2005 ist unvergessen.

Patrick Lange

Al-Sultan hat seinem Schützling den entscheidenden Kick gegeben. Lange ist einer der schnellsten Läufer im Profi-Feld. In Texas spulte er den Marathon in 2:40:01 Stunden ab. Als Vierter der Mitteldistanz-WM in Wiesbaden trat Lange auf dem Rad einen persönlichen Wattrekord. Dafür feilte er wissenschaftlich an der Aerodynamik und absolvierte in St. Moritz erstmals ein Höhentrainingslager. Zuletzt bereitete er sich drei Wochen lang mit dem letztjährigen Hawaii-Zehnten Boris Stein in der schwülen Hitze von Texas auf den Saison-Höhepunkt vor.

Nach Kona sind seine Freundin und sein Vater Wolfgang mitgekommen, der in Edertal-Kleinern lebt und für Lange „Unterstützer und Privatphysiotherapeut“ ist. Trainer Al-Sultan ist dagegen zu Hause geblieben. Auch in Deutschland bekommt er seine Trainingspläne vor allem über WhatsApp. Manchmal erfährt er erst am Morgen, was auf dem Programm steht.

Al-Sultan hat ihm auch klargemacht, dass er von seinem wahr gewordenen Traum vielleicht gar nicht so viel mitbekommt. Der triumphale Zieleinlauf 2005 „ist komplett aus meinem Gehirn ausradiert“, wie der 38-Jährige gerade in einem Interview verriet: „Wegen der Emotionen und des Mangels an Wasser und Nahrung kann es passieren, dass die Festplatte in diesem Moment nicht funktioniert.“ Erst an ein Stunden später gegebenes Interviews kann sich Al-Sultan wieder erinnern. Lange ist auf so etwas vorbereitet. Er weiß: „Der Ironman ist eine Welt der Schmerzen.“

Zur Person

Geboren: am 25. August 1986 in Bad Wildungen

Beruf: eigentlich Physiotherapeut, jetzt Profi-Triathlet

Anfänge: als Läufer beim TV Friedrichstein und Triathlet beim CJD Oberurff, außerdem fuhr Lange Mountainbike-Rennen

Verein: DSW Darmstadt

Größte Erfolge: Nordamerikameister beim Ironman in Texas 2016, DM-Dritter über die Mitteldistanz 2015, mehrfacher Deutscher Duathlon-Meister

Privates: Lebt in Darmstadt, wo er hin und wieder auch mit seiner Freundin trainiert.

www.patrick-lange.org

Großes Duell der Deutschen auf Hawaii

Mit Spannung wird auf Hawaii der Zweikampf zwischen den beiden Deutschen Jan Frodeno (36) und Sebastian Kienle (32) erwartet. Olympiasieger Frodeno triumphierte bereits 2015, wurde Deutschlands Sportler des Jahres und stellte Mitte Juli in Roth mit 7:35:39 Stunden eine neue Weltbestzeit auf. Darum ist er auch für den Bad Wildunger Patrick Lange der Favorit: „Jan ist der Kompakteste.“

Doch Frodeno und der 2014 siegreiche Kienle werden von den Amerikanern gejagt, die bei ihrem Heimspiel seit 2002 nicht mehr triumphiert haben. Deutsche schafften es seit dem Jahr 2000 gleich 16-mal aufs Podium, US-Athleten lediglich sechsmal. „Es wurmt sie, dass wir Deutsche überall die großen Rennen gewinnen. Sie haben die Messer gewetzt“, sagt Lange.

Andere Experten sehen Frodeno indes schon in einer anderen Liga. „Er ist eine Kategorie wie Usain Bolt über 100 Meter - da steht der Sieger auch vor dem Start fest“, sagt Timo Bracht aus Eberbach, der bei seiner 14. Teilnahme auf Hawaii wieder unter die besten Zehn kommen will: „Jan ist der schnellste Schwimmer, der schnellste Radfahrer, der schnellste Läufer - das wäre so, als wenn im Fußball auf jeder Position Manuel Neuer spielen würde.“

Weitere heimische Starter: Martin Huhndorf, Peter Roth (beide SC Neukirchen), Daniel Schmoll (Melsungen/TuS Griesheim).

Der HR überträgt die Ironman-WM Samstag ab 18.20 Uhr unter www.hessenschau.de. Das Erste zeigt die Entscheidung in der Nacht zu Sonntag ab 1.15 Uhr.

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