Ernsthäuser gibt nach 30 Jahren Gänsemast auf

Der Martinstag naht: Die Gänseherde von Christian Tripp-Noll genießt die letzten Herbsttage im Senkelbachtal auf einer Weide in der Nähe der Nikolaus-Mühle. Im kommenden Jahr wird dort kein Freiland-Geflügel mehr aufgezogen. Foto: Völker

Ernsthausen. Gut 30 Jahre lang haben Sommer für Sommer im Senkelbachtal unweit der Nikolaus-Mühle bei Ernsthausen Gänse in einer großen Herde geschnattert. Damit ist es jetzt Schluss.

Denn der Ernsthäuser Christian Tripp-Noll will seine Gänsehaltung ganz aufgeben - „aus Altersgründen“, wie der 74-Jährige sagt. Seine Wiese wird der Nachbar pachten.

Jedes Jahr von Frühjahr bis Herbst etwa 40 Gänse, dazu auch ein paar Puten und Enten auf einer Wiese außerhalb vom Dorf zu versorgen - das bedeutete: morgens um 7 Uhr auf der Weide sein, für Wasser und Futter sorgen, abends den Stallwagen pünktlich schließen. „Nur einmal habe ich’s vergessen und bin erst spät abends zur Weide gekommen - prompt hat mir der Fuchs eine Gans gestohlen“, erzählt Christian Tripp-Noll.

Für ihn, der zuletzt 17 Jahre lang als Altenpfleger im Seniorenzentrum auf der Burg in Frankenberg gearbeitet hat, war der Umgang mit Tieren schon in seiner Kindheit ein großes Hobby. Besonders angetan haben es ihm aber die Gänse. „Sie sind aufmerksam, neugierig, ich bewundere ihre Intelligenz“, sagt Tripp-Noll und betont: „Es gibt keine dummen Gänse!“

Er hat alljährlich sechs Monate lang eine große Herde von „Emdener“ Gänsen aufgezogen, aber auch immer ein paar Höckergänse mit dem charakteristischen Stirnhöcker auf dem Schnabel, die halb so schwer werden und wegen ihrer trompetenartigen Stimme auffallen. Christian Tripp-Noll kaufte sie als Küken, und bis zur Schlachtreife mit vier bis sechs Kilogramm Gewicht lebten sie dann auf der Wiese. „Sie bekamen nur frisches Gras, Getreide aus eigener Ernte und immer sauberes Wasser“, sagt er .

Das war mit Sicherheit ein Grund für seinen Erfolg bei der regionalen Vermarktung: Als er vor 30 Jahren mit den Gänsen anfing, sprach sich seine ökologische Freilandhaltung schnell herum. Das war damals neu. Es bildete sich ein fester Kundenstamm, alljährlich kamen Anfragen bis aus Berlin, Frankfurt und Gießen. „Die Leute wollten keine Massentierhaltung oder Importware aus der Tiefkühltruhe.“ Und so haben in diesem Jahr auch schon alle Kunden ihre Martins- oder Weihnachtsgans bei Christian Tripp-Noll vorbestellt.

Aber ganz aufhören? Nein, das kann er dann doch nicht. Ein paar Enten und Hühner nahe beim Haus will der Ernsthäuser doch noch halten. Mit dem Geschnatter im Senkelbachtal ist allerdings Schluss

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