580 Menschen mussten evakuiert werden

Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg bei Marburg: Keine Schäden bei Sprengung

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Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Regierungspräsidiums Darmstadt, erläuterte vor Ort die Herangehensweise zur Bombensprengung.

Marburg. Wie geplant ist am Mittwochvormittag in den Lahnbergen bei Marburg eine 50 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt worden. Schäden gab es keine.

„Es ist alles optimal gelaufen“, so das Resümee von Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Regierungspräsidiums Darmstadt. Auch Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) zeigte sich hochzufrieden, die Kooperation aller Einsatzkräfte habe hervorragend funktioniert und die Bevölkerung sei sehr ruhig geblieben.

Wegen der Aktion wurde am Morgen ein großer Teil des Ortenbergs evakuiert. Wie berichtet, hatten Experten des Kampfmittelräumdienstes bei der systematischen Suche im Auftrag von Hessenforst in dem Gebiet an einem Steilhang den Blindgänger entdeckt.

Wie Christian Prölß vom Marburger Ordnungsamt am Morgen erläuterte, sei die Evakuierung in einem Radius von 500 Metern angeordnet worden. 580 Menschen seien betroffen. Etwa 100 Mitarbeiter von Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdiensten waren im Einsatz.

Ab 8 Uhr war der gesamte Bereich für den Verkehr gesperrt. Polizeibeamte gingen von Haus und klingelten. Nur wenige Anwohner waren noch in ihren Wohnungen, verließen diese aber dann sofort.

Wie Polizeipressesprecher Martin Ahlich erläuterte, würden keine Türen aufgebrochen, das sei unverhältnismäßig. Während die Bewohner eines im Evakuierungsgebiet liegenden Altenheims in ein anderes Gebäude gebracht wurden, blieben Mitarbeiter und Patienten am Rand liegender Kliniken in den Gebäuden. Sie seien aber gehalten, so Ahlich, nicht ins Freie zu gehen und Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Mitarbeiter von Hessenforst gingen die Waldwege ab, um sicherzustellen, dass sich dort auch keine Menschen mehr aufhalten. Zudem wurde das aus der Luft durch einen Hubschrauber unterstützt. Der Luftraum war ansonsten ebenfalls gesperrt.

Um 11.07 Uhr wurde die Bombe dann gesprengt. Außer einem leichten Knall war außerhalb des Evakuierungsgebietes nichts wahrzunehmen. Um 11.44 Uhr erhielten die Einsatzkräfte die Nachricht, dass alles in Ordnung sei, die Anlieger wieder in ihre Wohnungen und der Verkehr wieder fließen könnten.

Die Bombe, die bei einer Länge von 75 Zentimetern und einem Durchmesser von 25 Zentimetern etwa 25 Kilogramm Sprengstoff enthielt, lag mit dem Zünder nach unten unter einer Baumwurzel, eine Entschärfung sei daher nicht möglich gewesen, erläuterte Gossens am Mittag.

Um die Kraft bei der gezielten Sprengung zu mindern, sei über dem Blindgänger ein Wasserkissen mit 20 000 Litern gelegt worden, nachdem zusätzlicher Sprengstoff angebracht wurde.

Die Detonation sei dann nicht so heftig gewesen, wie erwartet. „Aber auch der Sprengstoff hat ja schon etliche Jahre auf dem Buckel“, so Gossens. Die Bombe sei auch nicht zersplittert, sondern gebrochen. Anschließend seien alle Reste geborgen worden. Was blieb, war ein kleines Loch und das kaputte Wasserkissen. Der Baum stand ebenfalls noch.

Trotz der relativ harmlos verlaufenen Sprengung sei der hohe Aufwand zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger in jedem Fall gerechtfertigt, betonte Gossens, denn es sei nie auszuschließen, dass mehr passiert. „Das gilt auch für Entschärfungen, denn es kann immer mit einer Explosion zu geben.“

Es sei in der Zukunft mit weiteren Funden zu rechnen, sagte Prölß. „Es kann sein, dass es nächste Woche die Zweite ist und bald die Dritte“. Auch Gossens vermutete weitere Blindgänger. Aber das sei nicht außergewöhnlich,

In großen Städten gebe es erfahrungsgemäß noch viel mehr. Zuletzt waren in der Universitätsstadt vor 1,5 Jahren und vor wenigen Wochen im Norden Marburgs bei Bauarbeiten zwei Blindgänger gefunden worden, die beide entschärft wurden.

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