Wo die Hirsche röhren - mit dem Ranger zur Hirschbrunft

Ausdauernde Kämpfe: In der Brunft kommen sich mächtige Hirsche immer wieder ins Gehege und kämpfen um den Anspruch auf das Rudel. Den Teilnehmern an der Führung im Kellerwald ist dieser Anblick aber diesmal verwehrt geblieben. Archivfoto:  Kalden

Frankenau. Hirsche röhren hören und sie dabei beobachten - das war das Ziel einer geführten Tour mit Ranger Jörg Backhaus im Nationalpark Kellerwald. Die HNA war dabei.

„Von jetzt an heißt es Klappe halten!“, sagt Ranger Jörg Backhaus den 18 Teilnehmern der geführten Tour zur Hirschbrunft, als sie unterhalb der Waldkirche Quernst angekommen sind. Wortlos und möglichst leise auftretend gehen sie im Gänsemarsch die 500 Meter hinab zur Wildbeobachtungskanzel Wellenhausen.

Erwartungsvoll nehmen sie auf den beiden überdachten Bankreihen Platz. Natürlich knarrt das Holz, knistern die Anoraks und rascheln die Rucksäcke, bis alle sitzen.

Dann ist es still. Die Naturfreunde schauen auf den von Wald umgebenen Wiesengrund vor ihnen. Ein Forststudent hat dort am frühen Morgen das Brunftspektakel von Rothirschen beobachtet.

Jetzt ist es 18.30 Uhr, am Himmel zeichnet sich leichtes Abendrot ab. Alle spitzen die Ohren. Da knurrt es auch schon - allerdings ist das nur ein Magen. Das Geräusch wird die Gruppe den ganzen Abend begleiten - etliche der Tierbeobachter haben wohl noch nicht zu Abend gegessen. Für Leute mit Husten hat Jörg Backhaus vorsorglich Bonbons mitgebracht.

Die Gruppe sitzt schon eine ganze Weile, als tatsächlich ein Röhren zu hören ist - leider nur ganz weit weg. Vier bis fünf Kilometer entfernt, wie der Ranger später erläutert.

Gebannt schauen die Wildbeobachter weiter auf die freie Fläche vor ihnen. Doch nichts rührt sich. „Wenn doch nur ein Hirsch käme!“, wünschen sich alle. Aber sagen tut es natürlich keiner - nur nicht durch Geräusche das Rotwild verschrecken.

Es wird langsam duster und kühl. Plötzlich hebt der Ranger sein Fernglas ans Auge. „Am Waldrand, das ist Damwild“, flüstert er. Mit bloßem Auge sieht man leider nichts. Von dieser Wildart ist sowieso nicht so viel zu erwarten, was das Röhren angeht. Deren Brunftzeit beginnt erst im Oktober. Die Rufe sind eintöniger und erinnern eher an ein Grunzen, hatte Backhaus schon zu Beginn der Tour - am Parkplatz Euler bei Frankenau - erläutert.

Die Gruppe blickt weiter stumm auf den Wiesengrund. Er bleibt leider leer. Dann: Ein lauteres Röhren. Vielleicht ein bis zwei Kilometer entfernt, aber zumindest von vorne. Doch von Hirschen keine Spur Das war leider auch schon der Höhepunkt der heutigen Hirschbrunft-Tour. Mehr gibt es nicht zu sehen oder zu hören. Die meisten der Gruppe treten den Rückzug an. Einige wenige harren noch auf eigene Faust aus. „Wo man die Tiere gerade antrifft, das kann man nie genau im Voraus sagen“, erläutert der Führer.

Auf dem knapp zwei Kilometer langen Rückweg zum Parkplatz ist Reden wieder erlaubt. Von der Quernstkapelle her hört man Stimmen weiterer Wildbeobachter. Unterwegs fahren einige von ihnen mit Fahrrädern an den Wanderern vorbei. Ganz schön was los zur Hirschbrunft im Kellerwald.

„Wenn man einen röhrenden Hirsch nur hundert Meter vor sich hat, dann gibt das Gänsehaut“, sagt Jörg Backhaus zum Abschluss. Einige der Teilnehmer nehmen sich vor, noch mal auf eigene Faust ihr Glück zu versuchen.

Auch wenn sie keinen Hirsch gesehen haben - die Tour hat ihnen gefallen. „Die Stille in der abendlichen Natur, das hatte etwas Meditatives und war wunderschön“, sagt eine Teilnehmerin. Und alle spenden dem Ranger herzlichen Applaus.

Wo können in dieser Woche noch röhrende Hirsche im Nationalpark zu sehen? Wie viele Kilo nimmt ein Hirsch während der Brunftzeit im Durchschnitt ab? Antworten auf diese Fragen und mehr zur Paarungszeit des Wildes in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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