Stück über feine Ladies und schrullige Männer im 19. Jahrhundert

Bissige Dialoge mit Stil: Komödie in Frankenberg feierte gelungene Premiere

Eleganz, aber gesellschaftliche Enge: In ihren Frauenrollen machen (von links) Julia Balz, Laura Köhler, Sabine Eckel und Jana Röhle den viktorianischen Zeitgeist im England des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll sichtbar. Fotos: Völker

Frankenberg. Mit ihrem neuen Boulevardstück „Eine Frau ohne Bedeutung“ von Oscar Wilde hat am Wochenende in zwei ausverkauften Aufführungen die „Komödie Frankenberg“ das Publikum in das viktorianische England des 19. Jahrhunderts versetzt.

Es geht um feine Ladies und schrullige Männer, um Arroganz und Karriere, verletzte Seelen und puritanische Heuchelei. Ein Stück viktorianisches England am Ende des 19. Jahrhunderts mit rauschenden Kostüm-Schleifen und stilvollen Möbeln wird sichtbar, wenn sich der Vorhang auf der Bühne der Ortenbergschule hebt. Am Wochenende hatte dort vor ausverkauftem Haus das Oscar-Wilde-Stück „Eine Frau ohne Bedeutung“ Premiere - das Publikum bejubelte am Ende eine ebenso vergnügliche wie reflektierte Inszenierung der „Komödie Frankenberg“ in der Regie von Hans-Peter Höhl.

Mit spitzer Zunge (linkes Bild): Renate Goebel als Lady Pontefract mit ihrem Gatten Sir John (Harald Rudolph). Außerdem gabe es Besuch vom Erzdiakon: Dirk Schäfer und Nadine Oberender als Lady Hunstanton.

Wer die englischen Boulevardstücke, die das eingeschworene Frankenberger Komödianten-Team seit Jahren liebt, im Sinn hatte, musste sich zunächst auf relativ wenig Handlung, dafür aber viele amüsante, bissige Dialoge einstellen: Lords und Ladies der englischen „Upperclass“ hängen auf ihrem Landgut ab, und vor allem Frauen tauschen ihre Ansichten über Liebe, Erziehung und Moral aus („Ach, die Welt wurde für Männer geschaffen, nicht für Frauen“). Herrliche Rollen für Renate Goebel als Lady Pontefract mit Stricknadel und ebenso spitzer Zunge, für Nadine Oberender als über allem schwebende Gastgeberin Lady Hunstanton, Julia Balz als hübsche Lady Stutfield und Jana Rühle als amerikanisch-aufgeklärte Miss Hester Worsley. Laura Köhler besticht mit männermordender Mimik als Mrs. Allonby.

Mit spitzer Zunge (linkes Bild): Renate Goebel als Lady Pontefract mit ihrem Gatten Sir John (Harald Rudolph). 

Lord Illingworth, ein typisch Wilde’scher Dandy, den Holger Kraus mit diabolischer Eleganz zelebriert, darf seine gefühllosen Sprüche verbreiten - bis im zweiten Teil der anrührende Konflikt zwischen Mutter Rachel Arbuthnot und ihrem Sohn Gerald zu einer dramatischen Zuspitzung führt. Sabine Eckel verleiht ihrer Frauenfigur Größe und eben doch „Bedeutung“, Maximilian Kaletsch spielt den Sohn im marionettenhaft hin- und hergerissenen Taumel zwischen den Kräften.  Den Männern wies Oscar Wilde Nebenrollen zu: den von Karlheinz Balz quirlig gehuschten Parlamentarier Mr. Kelvill, den verarmten Zigarrenfreund Lord Rufford (Harald Hörl), Erzdiakon Daubeny, der mit Begeisterung von seiner kranken Frau erzählt (Dirk Schäfer), einen formvollendeten Butler (Heinrich Balz) und Harald Rudolph als behäbigen Gatten-Schatten von Lady Pontefract. Ihr Debüt mit Häubchen gab Gabriele Giugno als Zofe.

Gigantische Hüte

Mit spontanem Zwischenbeifall begrüßte das Publikum atemberaubende Kostüme, gigantische Hüte und detailverliebte, stilvolle Bühnenbilder. Die Inszenierung spiegelte viel viktorianische Enge, aber auch schon erstes gesellschaftskritisches Wetterleuchten und den Traum von der großen, weiten Welt Amerika. 

Gelungene Theater-Premiere in Frankenberg: „Eine Frau ohne Bedeutung“

Das Ensemble ließ Oscar Wildes geflügelte Worte auch sprachlich aufblitzen - kein anderes seiner Stücke hat der Nachwelt so viele Aphorismen überliefert.

Von Karl-Hermann Völker

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