Frankenberg bei nächtlicher Führung erleben: die HNA war dabei

Kostprobe in der Rathausschirn: Ahle Wurst und ein Gläschen Brandwein genießen bei der nächtlichen Führung durch Frankenberg (von links) Stadtführer Wilhelm Hein und die Teilnehmer Heinrich Giugno, Hans-Peter Ott, Hanna und Ludwig Brössel. Foto: A. Scholl

Frankenberg. Man sieht nur Schwarz: Bei totaler Dunkelheit, ohne Licht, tasten sich die mutigen Männer bei der ersten turnusmäßigen Frankenberger Nachtführung durch die drei Meter starken Mauern ins Innere des Hexenturmes aus dem 13. Jahrhundert.

Wilhelm Hein, der Stadtführer, hat sie darum gebeten, die Taschenlampen auszumachen und sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Als die Männer drinnen sind, folgen die Frauen mit zwei zuvor angezündeten Kerzen und beleuchten den kargen Raum.

Ein leicht beklemmendes Gefühl stellt sich ein und man fragt sich, wie sich die Gefangenen zu Zeiten der Hexenverfolgung wohl gefühlt haben müssen – in den dicken Mauern ohne Fenster und Türen. Einziges Möbelstück ist eine alte, große, massive Truhe inmitten des Turmes.

Auf dem Weg nach draußen entdeckt die Gruppe im Mauerwerk eine graue Haarsträhne. Die soll der letzten im Turm gefangenen Hexe gehört haben. Die Teilnehmer der Stadtführung sind froh, wieder im Freien zu sein. Vom Hexenturm aus geht es zurück zum Historischen Rathaus.

Hier hatte die Führung begonnen – mit vielen Informationen zum Rathaus, zum Beispiel zu den Knaggen über dem Eingang der Rathausschirn. Auf den Huckepack-Figuren, wie sie auch genannt werden, steht geschrieben: „Ich piff, halt, halt“. Sie sollen zum Halt und zur Einkehr animieren. Der Aufforderung folgen die Gäste der Stadtführung. In der Rathaus-Schirn, in der jeden Samstag der Landfrauenmarkt stattfindet, bietet Stadtführer Wilhelm Hein eine Kostprobe „Ahle Worscht“ und einen Brandwein an.

Die Schirn, die schon immer zum Feiern, Verweilen und als Versammlungsplatz genutzt wurde, animiert spontan einen der Gäste zum Gesang. „Wenn ich ein Vöglein wär“, schallt es klangvoll durch den Raum.

Rund um das Rathaus gibt es dann viele weitere Details zu entdecken: die Justitia, Uhren, Glocken, Figuren und natürlich die zehn Türme.

Weiter geht es zur Liebfrauenkirche. Die Gruppe kann sie nur von außen besichtigen, da sie abends abgeschlossen wird. Doch die Teilnehmer stellen fest: Es lohnt sich, auch nachts einmal genauer hinzuschauen und hinzuhören: 100 Jahre wurden zum Bau der gotischen Kirche gebraucht, die der Elisabethkirche in Marburg nachempfunden ist. Auch die Liebfrauenkirche fiel 1476 dem großen Brand von Frankenberg zum Opfer und wurde anschließend wieder hergerichtet.

Weiter geht die Nachtführung durch die Frankenberger Altstadt. Stadtführer Hein leuchtet mit der Taschenlampe viele Details an den Gebäude an. Sie kommen so erst richtig zur Geltung. Am Ende ist die Gruppe von dem Rundgang angetan.

Ihr Fazit: Die etwas andere Führung mit vielen Informationen von heute und damals hat auch in der dunklen Jahreszeit ihren Reiz. Sie ist als Angebot für Einheimische und Gäste nur zu empfehlen.

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Von Andrea Scholl

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