Frech und witzig: TV-Kabarettistin aus der "Heute-Show" in Frankenberg

Wandlungsfähig: Als „Diplom-Animatöse“ schlüpfte Christine Prayon in der Ederberglandhalle in mehrere Rollen. Foto:  Völker

Frankenberg. Christine Prayon zeigte sich am Samstag beim Kulturring in der Ederberglandhalle als, wie sie selbst sagt, „multiple Persönlichkeit".

Salbeibonbon, allergischer Schock, Tod auf der Bühne - eben noch hat sie als Frau einen männlichen Transvestiten gespielt, der sich zum Schluss entblättert. „Verstörend“ will sie sein, blitzschnell ihre Rollen wechseln, sich als Kabarettistin dabei immer wieder selbst in Frage stellen, sogar die Nachrufe noch gefühlvoll selber zelebrieren.

Sie spielte gar nicht, wie vielleicht erwartet, die aus Oliver Welkes „Heute-Show“ bundesweit bekannte „Birte Schneider“ mit ihren spitzen, sarkastischen Kommentaren zu politischen Tagesereignissen, sondern sie zeigte, dass sie als Schauspielerin und mehrfach preisgekrönte Kabarettistin noch viel mehr kann. Christine Prayon erfand für sich den Titel „Diplom-Animatöse“. Aber was ist das? Alles: Komikerin, Lyrikerin, Komödiantin, Wortspielerin, schräger Clown, fröhliche Gefühlsjongleurin.

Für das Frankenberger Publikum („hessische Version meines Programms“) las die Künstlerin anfangs aus dem trivialen „Tagebuch der Scarlett Schlötzmann“ mit erster Liebe zum Mathe-Lehrer, dem Aufstieg von der Porno-Darstellerin zur Schriftstellerin, die absolut nicht feministisch sein will. „Brauchen wir wirklich Emanzipation?“, fragte sie. „Wenn Emanzipation etwas gebracht hätte, wieso haben wir dann Heidi Klum?“ In einem Atemzug kommen Christine Prayon National- und Bierfahnen über die Lippen, aus ihrem Mund perlen Reime, sie feuert beim modernen Poetry-Slam ihr frisch-freches Text-Stakkato ab und haucht später eine Carla-Bruni-Parodie herrlich schlecht, fast tonlos ins Mikrofon. Sie schafft eben alles.

Christine Prayon gewann in Frankenberg sehr schnell mit ihren fantasievollen Figuren die Herzen des Publikums, gab schon mal vertrauensvoll „ihr Glasauge“ zur Aufbewahrung in die erste Reihe und verschenkte zum Schluss einen Lottoschein. Echt oder unecht, ist sie es selbst oder eine ganz andere, fragten sich ihre Zuschauer. Immer wieder beschwor die Komödiantin das in der Gesellschaft allgegenwärtige „Mittelmaß“ - und das auf ganz hohem Niveau.

Es gab herzlichen Beifall und zwei Zugaben, bevor Helmut Schomann für den Kulturring Christine Prayon mit Dank verabschiedete.

Von Karl-Hermann Völker

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