Blaue Röcke und weiße Hauben

Hugenotten und Waldenser tragen „Tracht des Jahres“

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Mit französischer Bibel zur Kirche: Hans-Werner Müller begleitete mit dem kostbaren Buch die Gruppe in Hugenotten- und Waldensertrachten im feierlichen Zug zum gemeinsamen Festgottesdienst in der Todenhäuser Kirche.

Todenhausen. Die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) hat die Trachten der Hugenotten und Waldenser für den HVT-Bezirk Mitte zur „Tracht des Jahres“ erklärt.

Sie wird zu festlichen Anlässen auch noch in den ehemaligen Kolonien der Vertriebenen aus Frankreich und Oberitalien in der Burgwaldregion getragen, wie am Sonntag am bundesweiten Tag der Tracht in Todenhausen.

Unter dem Geläut der Glocken waren mehr als 150 Frauen und Männer in den traditionellen Volkstrachten des Marburg-Biedenkopfer Landes und angrenzender Bereiche zum Festgottesdienst in der Todenhäuser Kirche gezogen, wo Pfarrer Dr. Matthias Franz (Wetter) solche Vielfalt der Trachten und Traditionen als Zeichen dafür wertete, „dass wir trotz aller Unterschiede zu einer hessischen Bevölkerung zusammengewachsen sind“. In seiner Predigt erinnerte er an das Schicksal der im 17. Jahrhundert wegen ihres Glaubens aus ihrer Heimat vertriebenen Hugenotten und Waldenser, die nicht gerade freundlich hier aufgenommen worden seien. „Ja, wir müssen auch heute Gastfreundschaft wieder lernen, ein offenes Herz für Fremde haben“, mahnte der Geistliche.

Hans-Werner Müller (Todenhausen) und Angela Paulus (Ebsdorfergrund) erläuterten in der Kirche die verschiedenen evangelischen und katholischen Trachten, darunter die blauen Röcke und sorgsam in Falten gebügelten weißen Hauben der Waldenserinnen, die in mühevoller Handarbeit ausgeschmückten „Motzen“ der Marburger Tracht oder die schwarzen „Schneppekappen“, die von den Frauen im Amt Blankenstein im Hinterland getragen werden. Alle „Trachten des Jahres“ seit 2006 wurden vorgestellt (siehe Hintergrund).

Die Tracht als Spiegel von Herkunft und Heimat ihrer Träger, Stand in der Gesellschaft und Alter, aber auch als Ausdruck eigener Identität beschrieb beim anschließenden bunten Programm im Dorfgemeinschaftshaus Vorsitzender Reiner Sauer. Sein VHT-Bezirk Mitte weise 48 Trachtengruppen auf. „Wir sind der trachtenreichste Landkreis in ganz Deutschland“, freute sich die Marburger Landrätin Kirsten Fründt in ihrem Grußwort. (zve)

Mehr über die Festveranstaltung in Todenhausen lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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