Arbeitsvertrag aufgelöst

Krankenpfleger freigesprochen: Er sollte Patientin geschlagen haben

Die Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Archivfoto: Biedenbach

Frankenberg. Das Amtsgericht sprach einen Krankenpfleger vom Vorwurf "Misshandlung von Schutzbefohlenen" frei. Eine Kollegin hatte ihn beschuldigt. Es stand Aussage gegen Aussage.

Das Amtsgericht Frankenberg hat einen Krankenpfleger aus dem Frankenberger Land vom Vorwurf freigesprochen, eine Patientin der Hainaer Allgemeinpsychiatrie geschlagen zu haben, um sie zur Medikamenten-Einnahme zu zwingen. Richterin und Staatsanwältin sahen den Vorwurf „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ für nicht gegeben.

Die Anklage basierte auf der Aussage einer Kollegin. Der Angeklagte und sie hatten gemeinsam Nachtdienst auf einer geschlossenen Station. Weil eine geistig behinderte und psychisch kranke Patientin die Nachtruhe störte, wollte die Krankenschwester ihr ein für solche Fälle vorgesehenes Medikament verabreichen. Da die Frau sich wehrte, rief sie ihren Kollegen zur Hilfe. Nachdem die Patientin mit den Händen um sich schlagend die Einnahmen abwehrte und die flüssige Medizin aus den Mundwinkeln laufen ließ, soll der Mann sie mit der flachen Hand auf den Oberkörper geschlagen haben.

Der Angeklagte warf hingegen der Kollegin vor, sie habe der Patientin die Nase zugehalten, um ihr das Medikament einzuflößen. Die Kollegin, die erst wenige Wochen vorher nach Haina gewechselt war, schilderte ihre Version am nächsten Morgen der Pflegeleitung. Mit dem Kollegen selbst habe sie aus Angst nicht darüber gesprochen.

Am Abend, als der Mann wieder zum Dienst kam, wurde ihm mitgeteilt, er sei der Misshandlung einer Patientin beschuldigt worden und werde freigestellt. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, schilderte er vor Gericht. Ihm sei nicht mitgeteilt worden, um welchen Vorgang es sich überhaupt handelte. Deshalb habe er keine Stellung nehmen können. „Er hätte sich äußern können“, sagte hingegen die Pflegedienstleitung.

Die Angelegenheit wurde vom Hainaer Vitos-Geschäftsführer Ralf Schulz geregelt. „Ich habe die Aussagen der Kollegin für glaubwürdiger gehalten.“ Sie habe sich als gute Kraft erwiesen, sei noch in der Probezeit gewesen. „Was hätte sie für ein Interesse, sich so etwas aus den Fingern zu saugen?“, erklärte er, warum er ihr und nicht dem langjährigen Mitarbeiter glaubte, der sich bisher nichts zu Schulden hatte kommen lassen. Sowohl Staatsanwältin als auch Richterin kritisierten, dass Schulz die Frage, welche Version stimme, nicht von den dafür zuständigen staatlichen Behörden habe klären lassen.

Arbeitsvertrag aufgelöst

„Bei uns gilt die Devise: Null Toleranz gegenüber Gewalt an Patienten“, sagte Schulz. Er hatte dem Mann einen Auflösungsvertrag aus betrieblichen Gründen vorgeschlagen. Der hatte eingewilligt. „Wem sollte ich denn noch trauen?“, hatte der Angeklagte seine Zustimmung erklärt. Er hatte auch geschildert, dass die neue Kollegin bereits das Vorgehen anderer Kollegen, insbesondere bei der Fixierung eines Patienten, als zu ruppig bei Vorgesetzen kritisiert hatte. Das bestätigte die Frau auch selbst vor Gericht. Sie beeidete auf Forderung ihre Aussage. „Aber was hat sie beeidet? Ein Stoß mit der Hand ist keine rohe Misshandlung, allenfalls Nötigung“, sagte die Richterin. Die Staatsanwältin kritisierte zudem, dass die Klinik nicht umgehend die Patientin auf körperliche Schäden habe untersuchen lassen.

Was der Anwalt des Angeklagten zu dem Vorgehen der Klinik und den Auswirkungen auf den Mandanten sagte, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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