Kritik an Fragebogen zur Familienstadt: Datenschutz verletzt

+
Vier Seiten, zwölf Fragen: Diesen Fragebogen haben 1700 Familien in Frankenberg bekommen.

Frankenberg. In Frankenberg ist derzeit ein Fragebogen zum Modellprojekt „Familienstadt“ in Umlauf. Darin werden die Frankenberger aufgefordert, persönliche Angaben zu machen. Jetzt gibt es Kritik an den Fragen.

In welchem Stadtteil wohnen Sie? Seit wann wohnen Sie in Frankenberg? Wie alt sind Sie? Leben Sie mit einem Partner zusammen? Wie viele Kinder haben Sie?

Schon nach diesen fünf Fragen, sagt Nicolas Hansen, sei die Familie, die den Fragebogen zum Familienstadt-Projekt in Frankenberg ausfüllt, identifizierbar. Hansen, heute „einfacher“ Bürger der Stadt und selbst Familienvater, habe schon 2009 als Bürgermeister-Kandidat - damals gegen Christian Engelhardt - kritisiert, dass ein erster Fragebogen für das Modellprojekt den Datenschutz nicht beachte. Heute wie damals fordert er: „Die Ergebnisse dürfen nicht verwertet werden.“

Der freiwillige Fragebogen ist der Abschluss des hessischen Modellprojekts „Familienstadt mit Zukunft“ in Frankenberg, das 2015 nach zehn Jahren zu Ende gegangen ist. Das Land Hessen hat die Aktionen in Frankenberg zur Steigerung der Familienfreundlichkeit - und als Ziel auch der Geburtenrate - wissenschaftlich begleiten lassen.

„Dies dient der Bewertung des Projektes. Die wissenschaftliche Begleitung wurde vom Innenministerium bei der Hessen-Agentur beauftragt, insofern werden die Ergebnisse auch dem Ministerium in Form eines Berichts übergeben und nicht der Stadt“, sagt dazu Uwe van den Busch von der Hessen-Agentur, der Dienstleistungsgesellschaft des Landes. Das Ministerium entscheide dann, in welcher Form die Ergebnisse veröffentlicht bzw. der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

An Hansens Kritik an dem Fragebogen ändert das nichts: „Auf Seite 1 wird zwar auf Anonymität und Datenschutz hingewiesen. Das reicht aber nicht, wenn man nach fünf Fragen identifizierbar ist. Bei mir und meiner Familie wäre das eindeutig der Fall“, sagt Hansen. „Und dann kann anhand der weiteren Fragen ein Profil angelegt werden. Das geht nicht.“

In den weiteren Fragen geht es zum Beispiel um die Familienplanung: Wünschen Sie sich weitere Kinder? Wenn nein, soll man die drei wichtigsten Gründe ankreuzen, etwa die wirtschaftliche Situation der Familie, gesundheitliche Gründe oder „Es würde die Partnerschaft belasten“. „Das legt intime Lebensfragen offen“, kritisiert Nicolas Hansen. Er habe der Hessen-Agentur schon beim ersten Fragebogen Hilfe angeboten, lediglich die Fragestellungen müssten geändert werden. Denn Hansen sagt auch: „Eine solche Befragung ist sinnvoll, wenn man die Arbeit der Familienstadt bewerten will.“

„Wir hatten auf die Fragen keinen Einfluss“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß - auch wenn er das Vorwort zu dem Fragebogen unterschrieben hat. „Ich gehe davon aus, dass die Hessen-Agentur den Fragebogen rechtlich geprüft hat. Und wenn einer nicht antworten will, antwortet er nicht.“

Von Jörg Paulus

Was die Hessen-Agentur zu der Kritik sagt und einen Kommentar zum Thema, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.