Kellerwald statt Südostasien

Inderin in Löhlbach: Von der Hitze in den Kühlschrank

Hochzeitsbild in Südindien: Im Mai 2014 haben Gerd und Durga Faust in Südindien geheiratet - bei 50 Grad im Schatten. Das Foto zeigt das Brautpaar mit der Familie der Braut bei der Hochzeitszeremonie. Fotos: nh

Löhlbach. Von Südostindien in den Kellerwald kam Durga Faust. „Du lebst in einem großen Kühlschrank", sagt ihre Mutter am Telefon, wenn die Tochter von Nebel und Schnee erzählt.

Doch Durga sieht das Wetter in in ihrer neuen Heimat gar nicht so dramatisch. „In Südindien können es bis 60 Grad im Schatten werden. Das ist sehr heiß und unangenehm“, sagt die 30-Jährige.

Dennoch: Es war eine große Umstellung, die die junge Frau aus dem Bundesstaat Andhra Pradesch bewältigte, als sie vor zwei Jahren nach Löhlbach kam - als Ehefrau des Löhlbachers Gerd Faust (46). „Ich habe mich gefreut, aber ich hatte auch viel Angst“, erinnert sie sich. Nach ihrer Ankunft gab es viel zu staunen - etwa als sie in einem Auto saß, das von einer Frau gelenkt wurde. Das hatte sie in ihrer Heimat nicht gesehen. „Wir werden einen Unfall bauen“, schildert sie ihre damalige Befürchtung und lacht. Heute denkt sie selbst darüber nach, einen Führerschein zu machen.

„Familie und Kind sind mein erster Plan.“ 

Das Ehepaar zog in Gerd Fausts Fachwerkhaus ein. „Ein großes Haus. Ich musste erst lernen, wie man die großen Fenster putzt“, sagt Durga. Hausfrau und Mutter sein - darin sieht die junge Frau derzeit ihre Erfüllung, und steht damit ganz in ihrer heimatlichen Tradition. „Familie und Kind sind mein erster Plan“, sagt sie. Söhnchen Hendrik ist acht Monate alt. Das Paar wünscht sich weitere Kinder. Wenn diese größer sind, will die studierte Wirtschaftsinformatikerin auch berufstätig werden.

Diese Ausrichtung unterscheidet sie von gleichaltrigen Frauen in Deutschland. Auch am Rauchen, Ausgehen und Alkoholtrinken hat sie kein Interesse. Sie verstehe sich besser mit älteren Frauen als mit Gleichaltrigen, erzählt sie. Überhaupt staunt Durga Faust, „was ältere Menschen in Deutschland für die Allgemeinheit leisten“ - und nennt als Beispiel, als 2015 bei der 800-Jahr-Feier Löhlbachs viele Ältere den Ort auf Vordermann brachten.

Solche Feste, auch das Lichterfest des örtlichen Männergesangvereins im Ortsmittelpunkt, mag sie sehr. „Ich liebe die deutsche Kultur“, sagt Durga Faust.

Die Inderin bringt auch heimische Bräuche mit ein. Ihre indischen Gerichte sind bei Freunden sehr beliebt. Die evangelische Christin besucht den Gottesdienst im Ort - an Festtagen auch im Sari. Sie hat im Gospelchor mitgesungen und während eines Gottesdienstes erhielt Söhnchen Hendrik auch die in Indien übliche Segnung, wenn ein Kind nach zirka einen halben Jahr erstmals etwas anderes als Muttermilch zu sich nimmt.

Meditation und Tradition 

Während der Schwangerschaft hat die werdende Mutter viel meditiert. Sie versorgt das Baby mit traditionellen Techniken der Babypflege. In den ersten zwei Lebensmonaten hielt sie das Kind nach täglicher Massage und Bad kurz über wohlriechenden Rauch aus Safran- und Sambranpuder - das soll Hautausschläge und Allergien verhindern.

Ende November fliegt die Familie Faust in Durgas Heimat. Dort erwartet sie ein lokaler Fernseh-Sender. Die Journalisten interessiert - genau wie die HNA - die Frage: Wie ergeht es einer Inderin in Deutschland?

Wie sich das Ehepaar Faust überhaupt kennengelernt hat und wie es zur Hochzeit kam, das lesen Sie in der gedruckten Donnerstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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