Keine Angst vor dem Defibrillator: Auch Laien können Leben retten

Waldeck-Frankenberg. Defibrillatoren hängen in vielen öffentlichen Gebäuden. Gerade Laien sollen so in die Lage versetzt werden, Patienten schnell zu helfen. Doch viele haben Angst, bei der Benutzung etwas falsch zu machen. Die HNA erklärt, warum die Sorge unbegründet ist.

„Jeder kann einen Defibrillator bedienen und braucht davor keine Angst zu haben“, sagt Mario Seitz. Der Wehrführer aus Allendorf/Hardtberg arbeitet beruflich bei der Frankenberger Bank, die seit einigen Jahren Defibrillatoren an Vereine, öffentliche Einrichtungen und Institutionen spendet. „Mittlerweile sind es 23 Stück, die in Dorfgemeinschaftshäusern, bei Firmen, Banken, Fitnessstudios oder in anderen öffentlichen Einrichtungen installiert wurden“, sagt Seitz.

Ein Defibrillator

Die Defibrillatoren, die im Ernstfall Leben retten, können laut Seitz bei Einsätzen problemlos benutzt werden. „Wir Feuerwehrleute stellen leider immer wieder fest, dass Laien skeptisch gegenüber Defibrillatoren sind. Sie haben Angst, dass sie im Ernstfall etwas falsch machen. Doch das brauchen sie nicht. Die Bedienung der Geräte ist leicht und man wird die ganze Zeit durch eine automatische Stimme angeleitet“, sagt der Wehrführer.

Für Mario Seitz war es deshalb auch ein Anliegen, bei einem Termin mit unserer Zeitung einen Defibrillator einmal in Aktion zu präsentieren. Mit dabei waren auch Christian Neuhaus und Thomas Drössler vom DRK-Kreisverband. Sie zeigten an einer Puppe, wie leicht die Geräte zu bedienen sind.

Gerade in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Geräte, die an öffentlichen Orten hängen, deutlich erhöht. Defibrillatoren helfen, wenn ein Patient mit Kammerflimmern oder der Vorstufe zum Kammerflimmern zusammenbricht. Sie unterstützen die in einem solchen Fall ebenso notwendigen Wiederbelebungsmaßnahmen. „Der Defibrillator ist nur eine Ergänzung und kein Ersatz für die Herz-Lungen-Wiederbelebung, also die Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung“, sagt Christian Neuhaus. Die Geräte können sich zwar optisch voneinander unterscheiden, in der Handhabung sind sie aber meist identisch. Sie sind an den öffentlichen Plätzen so installiert, dass sie im Notfall schnell abgenommen werden können. Die Defibrillatoren sind alle sprachgesteuert und sagen dem Bediener, was er in einer festgelegten Reihenfolge genau machen soll.

Nach dem Öffnen des Gehäuses sind die Elektroden für den Benutzer direkt sichtbar - meistens fallen sie sofort heraus. Eine Stimme fordert den Benutzer dazu auf, einen Notruf abzusetzen. So soll gewährleistet sein, dass der Rettungsdienst informiert wird und schnell kommt.

Nun muss der Benutzer die Elektroden am Patienten anbringen. In jedem Defibrillator ist auf Bildern erklärt, wo die Elektroden aufgeklebt werden müssen - die Position wird so gewählt, dass der Strom zwischen ihnen durch das Herz fließt. In jedem Defibrillator ist ein Einwegrasierer mit Gel zu finden - falls der Patient eine Oberkörperbehaarung hat. Bevor die Elektroden am Körper angebracht werden, müssen die Haare entfernt werden, um einen optimalen Stromfluss zu erreichen. Im Defibrillator befindliche Handschuhe sollten dabei verwendet werden. Sind die Elektroden angebracht, fordert das Gerät den Benutzer auf, die Elektrodenstecker in den Defibrillator zu stecken. Die automatische Stimme sagt: „Achtung, den Patienten nicht berühren! Herz-Rhythmus wird ausgewertet.“ Nun stellt der Defibrillator fest, ob ein Kammerflimmern oder die Vorstufe dazu vorliegt. Nur dann ist ein Stromstoß hilfreich, um den Herz-Rhythmus wieder in die richtige Bahn zu bringen. Sind die Symptome eindeutig, löst der Defibrillator einen Stromstoß aus. Es gibt auch Geräte, die das nicht selbstständig tun. „Dem Benutzer wird dann gesagt, dass er den Patienten weiterhin nicht berühren darf und dass er per Knopf den Stromstoß auslösen muss.“

Nach dem Stromstoß fordert der Defibrillator den Benutzer auf, 30 Herzmassagen und zwei Beatmungen abwechselnd durchzuführen. „Die Wiederbelebung ist genauso wichtig. Da muss sich natürlich jeder fragen, ob er in Sachen Erste Hilfe auf dem neuesten Stand ist“, sagt Mario Seitz und empfiehlt die regelmäßige Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses. Ob weitere Stromstöße und Wiederbelebungsmaßnahmen nötig sind, wird dem Benutzer dann vom Gerät mitgeteilt.

Rubriklistenbild: © Daum

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