Fall Eichenlaub: Was ergaben die Hausdurchsuchungen?

Vor dem Landgericht: Helmut Eichenlaub, Ex-Landrat von Waldeck-Frankenberg. Foto:  Fischer

Korbach/Kassel. Welches Beweismaterial förderten die Hausdurchsuchungen im Fall Eichenlaub zutage? Diese Frage beschäftigte am Montag das Landgericht Kassel im Prozess gegen den Ex-Landrat von Waldeck-Frankenberg.

Im Oktober 2010 hatten Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung bei Ex-Landrat Helmut Eichenlaub, einem früheren Sparkassenmanager und dem früheren Chef der Schweizer Privatbank „LB Swiss“ die Durchsuchungen angeordnet.

Rechner, Laptops und Akten wurden dabei sichergestellt. Zugleich werteten die Ermittler Mail-Verkehr und Telefondaten aus, um Licht ins Dunkel der Geldgeschäfte in der Schweiz zu bringen.

Für Beobachter ergab sich nach dem Verhandlungstag am Montag vor dem Landgericht Kassel folgendes Bild: Eichenlaub kassierte 2007 einen Teil der Provisionen bar in Zürich, weitere Provisionen kamen auf ein Konto namens „Barbara“, das für Eichenlaubs Frau eingerichtet worden war.

Dazwischen war ein Vermittlungskonto geschaltet, auf dem zusätzlich auch noch „Anwartschaften“ für Provisionen aufliefen - aber offenbar nie ausgezahlt wurden.

Anfang 2010, nach Eichenlaubs Amtsende als Landrat, sollte offenbar die Firma „FSE Consulting“, ebenfalls unter Regie von Eichenlaubs Frau, in die Provisionsgeschäfte eintreten. Vereinbart wurde ein Vermittlungsvertrag. Der frühere LB-Swiss-Chef soll dabei einen „Marketingzuschuss“ von 150.000 Schweizer Franken an FSE angewiesen haben, so der Ermittler: Ein Betrag, der fast exakt den vorher Eichenlaub zugeordneten „Anwartschaften“ entsprach.

Derweil wurden die auf dem Barbara-Konto noch liegenden Summen laut Ermittler Anfang 2010 storniert. Das Konto stand plötzlich hoch im Soll und wurde später ausgeglichen. Offen blieb gestern, woher die Ausgleichssumme stammte.

Überdies ließ Eichenlaubs Frau der LB Swiss mitteilen, sämtliche Vermögenswerte an ein Bankhaus in St. Gallen zu transferieren - und Korrespondenz nach Deutschland zu unterlassen.

Der Waldeck-Frankenberger Ex-Landrat Helmut Eichenlaub ist angeklagt, rund 100.000 Euro an Provisionen privat erhalten zu haben - als Vermittler für millionenschwere Geldanlagen des Landkreises, des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft und Energie Waldeck-Frankenberg (EWF).

Beim Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts waren am Montag drei Polizeibeamte als Zeugen geladen, darunter der Ermittlungsleiter der Hausdurchsuchungen vom Oktober 2010. Bis 2013 wertete er einen Wust an Zahlen, Daten und Akten aus - darunter auch Akten, die erst mit erheblicher Verzögerung per Rechtshilfe aus der Schweiz zur Staatsanwaltschaft Kassel kamen. (jk)

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