Hallenbad Korbach: Bäderchef erwartet Millionen-Defizit

Wolfgang Wilhelm

Korbach. Trotz einer guten Besucherzahl im Korbacher Hallenbad erwartet Bäderchef Wolfgang Wilhelm ein Defizit von 1,5 Millionen Euro in diesem Jahr.

Er begründet dieses mit der fehlenden Kostendeckung bei den Eintrittspreisen. Wilhelm reagierte damit auf Kritik seitens der Vielschwimmer, die in einer Unterschriftenliste ihr Unverständnis zur Preisgestaltung im kürzlich wiedereröffneten Bad ausgedrückt haben.

Über den Anstieg bei den Besucherzahlen sprach Wilhelm in einer Sitzung des Korbacher Stadtparlaments. Dort legte er eine erste Bilanz vor. „Der Schwimmunterricht ist ausgebucht, das Babyschwimmen ist ausgebucht, wir sind auf einem guten Weg“, sagte er. 260 bis 280 Besucher pro Tag nutzen Hallenbad und Sauna, und auch die heimische DLRG-Gruppe verzeichnet wieder Zulauf, schilderte Wilhelm. „Vor 14 Tagen hatten wir einen Infoabend mit Eltern, und letzten Dienstag waren die ersten 40 Kinder bei der DLRG.“

Auch die Kostenfrage scheint im sanierten Bad weit weniger dramatisch, als die hitzigen Debatten seit April 2012 erahnen ließen. Damals wurde das frisch modernisierte Bad wegen Verkeimung des Trinkwassers urplötzlich wieder geschlossen - und bot fast vier Jahre lang politischen Zündstoff.

Von Zusatzkosten in Millionenhöhe war die Rede, derweil ist Wilhelms Zwischenbilanz deutlich milder. Die größten Posten bei den Nachbesserungen addierten sich bislang auf rund 160 000 Euro, erklärte Wilhelm. Dazu zählen etwa Reparaturen und Reinigung der Edelstahlbecken, die Aufrüstung des Lagunenbeckens zum (salzhaltigen) Solebad, Kassenanlage, Desinfektion von Rohrleitungen bis hin zur Hygieneinspektion der Lüftung. Auch ein neues Taschenregal und ein Föhn im Saunabereich seien inklusive.

Bedrohlich im Hintergrund schwebte bisher ein großes Gutachten zu Hygiene und Installationen. Doch dieses juristische Verfahren „ruht derzeit“, sagte Wilhelm.

Mehr Personal im Bad

Denn abseits der beklagten Mängel bei Fliesen, Edelstahl oder Beckenbeleuchtung drohten gerade bei der Hygienetechnik vermeintlich hohe Zusatzkosten. Ein abschließendes Gutachten zum Edelstahl steht derweil noch aus, überdies ein „Risiko-Gutachten“ zur Beleuchtung: „Wir warten auf einen Termin.“

Kritikpunkt war, dass Beleuchtung im Bad und Reflexionen auf dem Wasser abends keinen Durchblick bis auf den Beckenboden ließen. Dadurch könne im Ernstfall Gefahr für Badegäste drohen. Wilhelm sorgt deshalb für ausreichend Personal beim Badebetrieb.

Als dickster Brocken stehen noch Nachbesserungen bei den Fliesen für Duschen und Umkleiden aus. Abflüsse fehlen, und das Gefälle stimmt nicht. Ein Kompromiss mit Handwerkern, Generalplaner und Architekt ist aber offenbar zuletzt gescheitert.

Mit Prognosen zum weiter schwelenden Rechtsstreit um Mängel und Fehler beim Hallenbadbau hält sich Wilhelm zurück. Darüber müsse das Landgericht in Kassel befinden.

Von Jörg Kleine

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