Michael Seebold von der Rettungs-Leitstelle

Interview: Er half Neunjährigem per Telefon, den Bruder wiederzubeleben

Er nahm den Anruf des neunjährigen Lebensretters entgegen: Disponent Michael Seebold in der Rettungs-Leitstelle des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Archivfoto:  Hoffmeister

Waldeck-Frankenberg. Ein Neunjähriger aus Korbach rettete am Samstag seinem kleinen Bruder das Leben. Wir sprachen mit Michael Seebold, der an dem Tag den Notruf des Kindes beantwortete.

Nachdem die Großmutter den leblosen Körper des Zweijährigen im Pool entdeckte, wählte sein Bruder den Notruf. Am anderen Ende der Leitung war Michael Seebold, Rettungsassistent in der Leitstelle Waldeck-Frankenberg.

So ein Notruf von einem Kind ist doch eher ungewöhnlich, oder?

Seebold: Eigentlich nicht. Kinder rufen tatsächlich häufiger bei uns an. Dabei haben wir festgestellt, dass sie in vielen Fällen tatsächlich rationaler und weniger emotional involviert sind als Erwachsene.

Aber aufgeregt war der Neunjährige schon, oder?

Seebold: Er war ziemlich verheult. Am Anfang konnte ich ihn daher auch schlecht verstehen. Ich konnte ihn aber beruhigen. Er erzählte mir, was passiert war, und wir konnten beginnen, seinem Bruder zu helfen.

Wie beschrieb der Neunjährige den Unfall?

Seebold: Er sagte, dass sein Bruder in den Pool gefallen ist und nicht mehr atmet. Er und seine Oma haben den Zweijährigen dann aus dem Pool geholt und man hörte auch keine Schreie oder Ähnliches.

Was haben Sie dem Neunjährigen dann geraten?

Seebold: Er soll seinen kleinen Bruder auf die Seite drehen, damit die Flüssigkeit aus der Lunge ablaufen kann. Da hörte man dann schon langsam wieder erste Geräusche von dem Kleinen. Ich habe dem Neunjährige dann geraten, seinen Bruder auf den Rücken zu legen und ihm in den Mund zu pusten, also Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen. Dann fing das Kleinkind auch wieder an, besser selbstständig zu atmen.

Sie haben im Anschluss den Jungen zuhause besucht. Warum?

Seebold: Der Vorfall war kurz vor Dienstschluss und es war mir einfach ein Bedürfnis. Auch um ihm zu helfen, das Geschehene zu verarbeiten. Er hat positiv reagiert. Man hat gemerkt, er hat meine Stimme wieder erkannt. Ich wollte ihn wissen lassen, wie toll, wichtig und richtig es war, was er gemacht hat. Er ist für mich ein Held. Ohne ihn hätte sein Bruder keine Chance gehabt.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich jemanden finde, der bewusstlos ist und nicht mehr atmet?

Seebold: Man sollte sofort mit den Maßnahmen zur Wiederbelebung beginnen und den Notruf 112 wählen. Die Kollegen leiten einen dann per Telefon an.

Aber kann man nicht gerade auch bei einem Kind viel falsch machen?

Seebold: Das Schlimmste ist, nichts zu machen. Selbst wenn bei der Herz-Druck-Massage eine Rippe bricht, die heilt auch wieder. Der Tod ist unumkehrbar. Bei Kindern muss man lediglich beachten, dass statt mit beiden Händen wie bei Erwachsenen, man je nach Größe mit drei Fingern oder mit dem Handballen drückt.

Zur Person: Michael Seebold (41) ist Rettungsassistent und arbeitet seit fünf Jahren in der Rettungs-Leitstelle des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Er kann auf insgesamt 20 Jahre Berufserfahrung als Rettungsassistent zurückblicken.

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