Marburg hat die größte, noch erhaltene Festungsanlage Hessens

Ummauert: Insgesamt fünf Kasematten durchziehen den Marburger Schlossberg. Einst hatten sie eine Länge von insgesamt 700 Metern. Foto: Coordes

Marburg. Die armen Tagelöhner und Soldaten, die das Marburger Schloss einst verteidigten, hatten wahrlich keinen angenehmen Arbeitsplatz: Die Luft war von den beißenden Schwefeldämpfen des Schießpulvers erfüllt. Wer länger in den Kasematten arbeitete, holte sich schwere Lungenerkrankungen oder geplatzte Trommelfelle, weil die Schüsse in den unterirdischen Verteidigungsanlagen extrem laut hallten.

Bis heute hat Marburg die größte, noch erhaltene Festungsanlage Hessens zu bieten. Fünf Kasematten durchziehen den Schlossberg. Einst hatten sie eine Länge von insgesamt 700 Metern.

Errichtet wurden die Kasematten nach den Plänen des Architekten Wilhelm Dilich, der Burg und Stadt bereits 1620 zu einer sternförmigen Festung ausbauen wollte. Neben dem Schloss sollte auch die Vorstadt Weidenhausen hinter dem unregelmäßigen Zehneck von Bastionen verschwinden.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde ein kleiner Teil davon verwirklicht. Rund 100 Jahre später wurden die Dilich-Pläne wieder aus der Schublade geholt und der Schlosspark mit Gräben, Mauern, Schanzen und Kasematten versehen.

Während des Siebenjährigen Krieges zeigte sich, wie wenig die Befestigungsanlage taugte. Sechsmal wechselte das Schloss den Besitzer. Die landgräfliche Familie blieb der Festung Marburg unterdessen gänzlich fern. Sie verfolgte die glücklosen Kämpfe aus dem fernen Kassel. 1807 sprengten Napoleons Soldaten einen Teil der Kasematten.

Welche Funktionen die Kasematten in späteren Jahren hatten und auch heute noch haben, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Gesa Coordes

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