Fachfremder Unterricht häufig an Haupt- und Realschulen

Politiklehrer sind oft ohne Fachausbildung

Waldeck-Frankenberg. Hessenweit findet an Haupt- und Realschulen bis zu 80 Prozent des Politikunterrichts mit Lehrkräften statt, die für das Fach keine Ausbildung haben.

In anderen Schulfächern ist ein solcher fachfremder Unterricht bis zu 30 Prozent gang und gäbe. Das hat Achim Albrecht, Lehrbeauftragter an der Uni Kassel, aus der Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zur Unterrichtssituation in Hessen herausgelesen.

Albrecht spricht von einer Geringschätzung bestimmter Fächer. Aus Sicht von Schulen und dem Staatlichen Schulamt Fritzlar, das auch für Waldeck-Frankenberg zuständig ist, sprechen dagegen pädagogische Gründe für fachfremden Unterricht. So könne es in der Hauptschule sinnvoll sein, dass ein Klassenlehrer zehn bis 13 Stunden eine Lerngruppe betreue und so eine bestmögliche Beziehung zu den Schülern aufbaue, erklärte Dezernentin Marion Temme. Das funktioniere nur, wenn Lehrkräfte auch Fächer unterrichteten, die sie nicht studiert hätten.

Das sieht auch die Leiterin der Frankenberger Haupt- und Realschule Ortenberg, Cornelia Schönbrodt, so. Ein Klassenlehrer solle täglich möglichst mindestens zwei Stunden in der Klasse vertreten sein. Es habe wenig Sinn, einen Lehrer für eine Stunde pro Woche in einer Klasse einzusetzen. Die Schulleiterin hält ihre Lehrkräfte dazu in der Lage, sich über aktuelle politische Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

An der Louis-Peter-Schule in Korbach wird das Fach Gesellschaftslehre unterrichtet, in dem die Fächer Geschichte, Politik und Erdkunde zusammengefasst sind. In der Regel machen das die Klassenlehrer, von denen laut Schulleiter Michael Gering nur drei auch Politik studiert haben. „Ich sehe darin kein gravierendes Problem“, sagt Gering. Schließlich gehe es in der Haupt- und Realschule darum, Allgemeinwissen zu vermitteln und „auf die Welt und das Leben“ vorzubereiten. (lgr, mab, lb)

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Rubriklistenbild: © dpa

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