Fundort am Twistestausee

Vogelgrippe: Tote Ente aus Nordhessen trägt H5N8-Virus

Waldeck-Frankenberg. Eine tote Ente aus Nordhessen trägt das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N8. Das teilte das hessische Umweltministerium am Donnerstag nach einer Untersuchung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Greifswald mit.

Es ist damit der erste nachgewiesene Fall in Hessen. Bislang war das Virus H5N8 in Deutschland vor allem im Norden und Süden aufgetaucht.

Rund um den Fundort der Tafelente am Twistestausee im Landkreis Waldeck-Frankenberg wird ein Sperrbezirk eingerichtet. Im Umkreis von drei Kilometern gilt ab sofort Stallpflicht für alle Geflügeltiere. Dort werden alle Vögel von Veterinären untersucht und auf Krankheitssymptome hin kontrolliert. Nach Angaben des Ministeriums gibt es in der Beobachtungszone mehr als ein Dutzend Betriebe mit 183 Hühnern, 32 Enten, 110 Tauben und 2 Gänsen.

Bislang wurde der gefährliche Erreger in sechs weiteren Bundesländern bei Wildvögeln registriert, und zwar in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Auch tauchte das Vogelgrippe-Virus dort in mehreren Geflügelhöfen auf.

Die für das Risikogebiet entlang des Rheins angeordnete Stallpflicht bleibt weiter bestehen. Auch für Geflügelausstellungen und -märkte gelten noch immer besondere Regelungen. Die größte deutsche Vogelschau an diesem Wochenende in Kassel war wegen der Gefahr der Vogelgrippe abgesagt worden.

Tote Wildvögel sollten in Hessen schnell dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden, bittet das Umweltministerium die Bevölkerung. Dann könnten die Tiere von den Experten eingesammelt werden. Menschen und Hunde sollten die toten Vögel nicht berühren. Nach derzeitigem Kenntnisstand bestehe aber keine Gefahr für Menschen durch das kursierende Virus.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat für Freitagnachmittag zu einer Pressekonferenz ins Kreishaus in Korbach eingeladen, um über die aktuelle Lage zu informieren. 

An dem Gespräch werden unter anderem Dr. Martin Rintelen, der Leiter des Kreisveterinäramtes, und Kreislandwirt Fritz Schäfer als Landwirtschaftsdezernent teilnehmen.

Vogelgrippe: Bundesweite Stallpflicht wird vorbereitet

Das Bundesagrarministerium nimmt zur Eindämmung der Vogelgrippe eine bundesweite Stallpflicht für Geflügelbetriebe in den Blick. Ressortchef Christian Schmidt habe entschieden, alle notwendigen Maßnahmen dafür vorzubereiten, sagte ein Sprecher der dpa nach einer Sitzung des zentralen Krisenstabs. Man sei in Sorge, was die aktuelle Ausbreitung der Vogelgrippe angehe. Das Friedrich-Loeffler-Institut mit seinem nationalen Referenzlabor werde in den nächsten Tagen eine neue Risikobewertung vorlegen. Dann soll der Krisenstab erneut tagen.

Hintergrund: Stallpflicht

Besteht das Risiko einer sich ausbreitenden Vogelgrippe, können die Behörden Stallpflicht anordnen. Sie ist in Paragraf 13 der Geflügelpest-Verordnung geregelt. Demnach müssen die Tiere in geschlossenen Ställen gehalten werden oder "unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss". Ausnahmen sind möglich, beispielsweise wenn die Unterbringung im Stall wegen der bestehenden Haltungsverhältnisse nicht möglich ist.

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Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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