Vogelgrippe in Waldeck-Frankenberg: Aufstallung bleibt Problem

Frankenberger Land. Hessenweit gilt Stallpflicht, um die Verbreitung der Vogelgrippe zu vermeiden. Trotzdem haben viele Halter Fragen, etwa zu Ausnahmen und Umsetzung.

Frankenberger Land. Hessenweit gilt Stallpflicht, um die Verbreitung der Vogelgrippe zu vermeiden. Das hat das Hessische Umweltministerium verfügt (wir berichteten). Gleichzeitig gelten nun einheitliche Bio-Sicherheitsstandards, das heißt, Geflügel muss registriert sein, Todesfälle dokumentiert werden und beim Betreten des Stalles muss Schutzkleidung getragen werden, die unverzüglich gereinigt werden muss.

Bei den Geflügelzüchtern in der Region herrscht bezüglich der Umsetzung Unsicherheit, insbesondere bei den Hobbyhaltern. Wir haben uns über die Konsequenzen der Stallpflicht mit zwei Mitgliedern eines der größten Geflügelzuchtvereine der Region, dem RGVZ Frankenau, unterhalten: „Natürlich halten wir uns an die Vorgaben, die dienen schließlich auch dem Schutz der Tiere“, sagt Horst Küthe. Das habe aber eben auch Folgen. Karl-Heinz Lüdde hat sich zum Beispiel entschieden, einen Teil seiner Tiere zu schlachten: „Eigentlich wollte ich noch auf eine Ausstellung, aber auch die entfällt ja jetzt“, erzählt er.

Küthe erklärt, schlimmer wäre es gewesen, die Stallpflicht wäre im Sommer gekommen. Momentan hätten viele Züchter jahreszeitlich bedingt bereits ihren Bestand reduziert. Auf der Anlage des RGVZ Frankenau tummeln sich laut Küthe und Lüdde zu Hochzeiten 200 Tiere, momentan seien es weniger als 40.

Beide glauben, dass es Betriebe mit mehr Tieren härter trifft. Wenn dort eingestallt wird, könne es aufgrund des Platzmangels zu Kämpfen zwischen den Tieren kommen und die Ställe würden schneller verkotet. „Besonders problematisch ist die Stallpflicht für Wasservögel“, sagt Lüdde. Diese würden besonders oft in Freilandhaltung gehalten und tendierten dazu, mehr mit Wasser zu spielen. Dadurch würde die Einstreu schneller feucht und so auch schneller Nährboden für Krankheiten.

Gibt es also Sondergenehmigungen, um die Stallpflicht zu umgehen? Diese Frage stellen sich momentan viele Geflügelhalter im Kreis, die auch beim Veterinäramt nachfragten. Der Grund: Laut der Verordnung des Hessischen Umweltministeriums gibt es bei der Umsetzung der Stallpflicht vereinzelt noch Spielraum, über die entscheiden jedoch die Behörden vor Ort.

Unsere Zeitung fragte daraufhin beim Landkreis Waldeck-Frankenberg nach und erhielt folgende Antwort: „Ausnahmeanträge sind nach der Geflügelpestverordnung theoretisch möglich. Allerdings hat das Land Hessen die Veterinärämter grundsätzlich angewiesen, bei der Durchsetzung der Aufstallungspflicht restriktiv vorzugehen, um die Gefahr einer Ausbreitung der Tierseuche auf ein mögliches Minimum zu reduzieren“. Das Amt werde sich an diese Vorgabe halten. Die Chance der Erteilung einer Sondergenehmigung werde es daher nur in absoluten Ausnahmefällen und nach einer ausführlichen Risikobewertung durch das Veterinäramt geben.

Weitere Fälle werden untersucht 

Aktuell gibt es in Waldeck-Frankenberg einen bestätigten Vogelgrippe-Fall - eine tote Wildente, die im Twistesee gefunden wurde, trug das H5N8-Virus in sich (wir berichteten). Am vergangenen Wochenende sind nach Auskunft des Landkreises an verschiedenen Orten in Waldeck-Frankenberg noch einmal fünf tote Tiere gefunden worden.

Die Kadaver sind im Anschluss ins Landeslabor nach Gießen zur ersten Untersuchung geschickt worden. Ob sie infiziert sind, stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.