Wenige Tage nach „Ausbürgerung"

Jäger erschießt zahmes Wildschwein aus Gehege auf der Sackpfeife

+
Brach aus: Schon in der zweiten Nacht nach dem Auszug von der Sackpfeife lief Wildschwein Emma weg und wurde kurz danach auf einer Wiese erlegt.

Biedenkopf. Emma ist tot. Wenige Tage nach der „Ausbürgerung" aus dem Tiergehege auf der Sackpfeife hatte ein Jäger das Wildschwein in der neuen Heimat am Niederrhein erschossen.

Das berichtete Marita Müller vom Verein Hundehilfe Hinterland unter Tränen.

Der tödliche Schuss traf Wildschwein Emma auf einer Wiese, ein paar Kilometer von der privaten Benzel-Ranch entfernt, die das Tier zusammen mit dem schwarzen Schaf Finn nach der Schließung des Tiergeheges auf der Sackpfeife aufgenommen hatte. Die Besitzer hatten Emma in Biedenkopf abgeholt und auf die Ranch gebracht. Die ist rund 500 Kilometer von Biedenkopf entfernt und um die 36 Hektar groß mit Pferden, Kühen, einem zahmen Stier und mehr. Emma bekam ein abgetrenntes Areal mit Weidezaun und büxte schon in der zweiten Nacht aus.

„Sie hat uns gesucht“, sagt Marita Müller, die Vorsitzender der Hundehilfe Hinterland, dem Verein, der federführend das Tiergehege auf der Sackpfeife vor der Schließung retten wollte und große Pläne hatte für eine attraktives Gelände.

Von Menschen aufgezogen 

Das einjährige Wildschwein Emma wurde als Frischling halbtot gefunden und von Menschen aufgezogen. Es sollte eine der Hauptattraktionen im künftigen Tiergehege sein. Im Ringen um den Fortbestand des Geheges erlangte Emma mediale Aufmerksamkeit und wurde über ihren bis dato begrenzten menschlichen Freundeskreis hinaus bekannt.

Marita Müller ist überzeugt, dass das Wildschwein in jener zweiten Nacht fern von Zuhause eben jene Freunde suchte, mit denen es in Biedenkopf aufwuchs, allen voran Fee Goldmann von der Hundehilfe, seine „Ziehmutter“. Es durchbrach den Weidezaun, ließ sich von den elektrischen Litzen nicht aufhalten und lief davon.

Emma wurde dann später in der Nähe von Gärten, einem Friedhof und dann auf einem Trimm-Dich-Pfad gesehen, wo sie den Menschen hinterherlief - „sie war ja die Nähe von Menschen gewohnt“. Die Menschen ihrerseits aber nicht die Nähe von Wildschweinen, auch der Jäger nicht, auf den Emma dann auf einer Wiese zurannte.

„Er schoss“, berichtet Marita Müller, obwohl die Jäger in der Umgebung der Ranch über das zahme Tier, das ausgebrochen war, informiert worden seien.

Von Emmas Ende erfuhr die Hundehilfe erst Tage später. Fee Goldmann sei mit ihren Hunden und vier Waschbären im Auto nach Bekanntwerden des Ausbruchs noch zur Ranch gefahren und habe das Wildschwein tagelang im Wald bei der Ranch gesucht, berichtet Marita Müller. Als die Tierschützerin noch suchte, war Emma schon tot.

„So viele Leute haben das Wildschwein geliebt“, sagt Marita Müller, „und ich habe versprochen, dass wir uns darum kümmern, dass es gut untergebracht wird. Jetzt hängt es schon irgendwo am Haken. Das ist so schlimm für mich“, sagt die Tierschützerin und weint.

Von Birgit Heimrich

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.