Bereits 9200 Nutzer im Schwalm-Eder-Kreis bei Katastrophenschutz-Portal „Katwarn“

Schwalm-Eder. Mit dem Kurznachrichtendienst Twitter sowie dem Katastrophen-Warnsystem „Katwarn" wurden die Menschen beim Amoklauf in München über die Gefahrenlage informiert.

Katwarn gibt es im Schwalm-Eder-Kreis seit 2012, und viele Menschen nutzen bereits die Möglichkeit, sich schnell und zielgenau über folgenschwere Ereignisse informieren zu lassen.

2600 Nutzer hatten sich nach dem Start von Katwarn innerhalb kurzer Zeit angemeldet. Inzwischen gebe es bereits über 9200 Anmeldungen, berichtet Kreisbrandinspektor Torsten Hertel. Knapp die Hälfte der Nutzer habe den SMS-Service abonniert, inzwischen verwendeten aber immer mehr Menschen die Katwarn-App. Beide Dienste sind für die Nutzer kostenlos.

Die App bietet zusätzlich Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie eine so genannte „Schutzengelfunktion“. Dabei werden die Nutzer auch unterwegs, also jeweils für den Standort informiert, an dem sie sich gerade aufhalten.

Der Schwalm-Eder-Kreis hatte sich 2012 für den Einsatz von Katwarn entschieden, das von Fraunhofer/Fokus im Auftrag der öffentlichen Versicherer Deutschlands entwickelt wurde. Neben einer einmaligen Einrichtungsgebühr von 15.000 Euro zahlt der Landkreis 3000 Euro jährlich für die Wartung sowie sechs Cent pro verschickter SMS.

Etwa bei Chemieunfällen und Großbränden mit Rauchausbreitung kann die Leitstelle Warnhinweise herausgeben. Beim Amoklauf in München hatte auch die Polizei diesen Weg genutzt. Ähnlich brisante Ereignisse, auf die bei Katwarn hätte hingewiesen werden müssen, habe es aber glücklicherweise noch nicht gegeben, sagt Hertel.

Bei Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienst (DWD) sei jedoch auch der Schwalm-Eder-Kreis immer wieder einmal dabei, sagt DWD-Pressesprecher Uwe Kirsche.

Vom Nutzen des Warnsystems „Katwarn“ ist Torsten Hertel überzeugt. „Ich kann die App grundsätzlich nur empfehlen, schon, weil dadurch auch Unwetterschäden verhindert werden können“, sagt der Kreisbrandinspektor.

Während das System im Schwalm-Eder-Kreis schon vor vier Jahren eingeführt wurde, wollen viele Landkreise und kreisfrei Städte jetzt - nach dem Amoklauf in München - nachziehen.

„Bis heute hatten wir Anfragen von 40 Kreisen, die „Katwarn“ so schnell wie möglich haben wollen“, sagt Arno Vetter, Geschäftsführer von Combi-Risk. Diese Tochtergesellschaft der öffentlichen Versicherungen vermarktet das System.

Nach dem Amoklauf hätten sich innerhalb von zwölf Stunden 500.000 neue Nutzer bei „Katwarn“ angemeldet, alleine 250.000 für die Postleitzahl von München. Das System sei dort kurzfristig an die Grenzen gestoßen, was aber an der Kapazität des Mobilfunknetzes gelegen habe.

In Nordhessen nutzen bis auf den Landkreis und die Stadt Kassel alle Landkreise das Warnsystem. Der Schwalm-Eder-Kreis habe relativ früh die Möglichkeiten von „Katwarn“ erkannt, erklärt Vetter. Jede Leitstelle könne für sich entscheiden, wann die Warnschwelle erreicht sei. Einsatzmöglichkeiten sieht Vetter etwa bei Trinkwasserverunreinigungen, beim Ausfall der Notrufnummern und wenn etwa bei Blitzeis die Schule ausfalle.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzt „Katwarn“ regelmäßig, um auf Unwetter aufmerksam zu machen. 2015 seien bundesweit 23.000 Warnhinweise verschickt worden, 1830 mal mit der höchsten Warnstufe, berichtet Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD. Wie oft der Schwalm-Eder-Kreis betroffen war, könne er nicht einschätzen. Seit kurzem könnten die Wetterwarnungen auch ortsgenau für 10.000 Städte und Gemeinden herausgegeben werden. Bisher sei das lediglich für die Landkreisebene möglich gewesen. Der DWD hat selbst auch eine „Warnwetter App“.

Eine direkte Einbindung der Polizei in das „Katwarn“-System gebe es derzeit noch nicht, berichtete Hubertus Hannappel, Chef der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Das sei für Hessen aber in der Diskussion.

Anmeldung per SMS oder App 

Wer das Katastrophenwarnsystem „Katwarn“ nutzen möchte, muss sich vorher einmalig anmelden. Er sendet an die Service-Telefonnummer 0163/7558842 eine SMS mit dem Wort „Katwarn“ und der eigenen Postleitzahl. Auch die E-Mail-Adresse kann angegeben werden.

Verbreiteter ist aber inzwischen die „Katwarn“-App, die man sich auf das Smartphone herunterladen kann. Auch bei der App-Version können mehrere Ort angegeben werden, für die man gewarnt werden möchte. Auch Warnungen für den jeweiligen Standort des Smartphones („Schutzengelfunktion“) sind möglich.

Informationen: www.katwarn.de.

Rubriklistenbild: © Lischper

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