Römersberger ermöglichte Fahrt 

Einmal nach Hamburg: Schwer krankem Borkener wurde Wunsch erfüllt

Borken/Römersberg. Ohne Jörg Metze wäre der Herzenswunsch von Marcel Szkucik wohl nie in Erfüllung gegangen. Der Römersberger hat für den schwer kranken Mann gesammelt und eine Fahrt nach Hamburg ermöglicht.

Der Weg in die Hansestadt ist eigentlich keine große Sache für die meisten 22-Jährigen - wohl aber für Marcel Szkucik. Er ist an Spinaler Muskelatrophie (SMA) erkrankt, damit schwer behindert. Marcel hat Muskelschwund, sitzt im Rollstuhl, braucht intensive Betreuung und Pflege.

Und dennoch hat er es geschafft: Marcel war jetzt zusammen mit seinem Betreuer Timm Jörgeling für fünf Tage in Hamburg, hat den Hafen, den Kiez und St. Pauli besucht. „Es war großartig“, schwärmte er, als ein Trüppchen Römersberger bei ihm zu Hause in Borken vorbei kam, um zu hören, wie es gewesen sei.

Toll sei es gewesen, bestätigte Betreuer Timm Jörgeling, auch wenn die Organisation der Reise alles andere als einfach war. Marcel braucht spezielle Pflege, wird künstlich ernährt - er kann deshalb nicht in einem beliebigen Hotel unterkommen. So wohnte er im Sterbehospiz Sternenbrücke, einer Einrichtung, die er bereits von früheren Urlauben mit seiner Familie kannte.

Was für andere befremdlich klingen mag, ist für ihn selbstverständlich, das Hospiz gehört für ihn einfach zu Hamburg dazu. „Da fühle ich mich wohl“, sagt er.

Wohl fühlt er sich auch in Borken, wo er jetzt mit seiner Familie lebt. Aufgewachsen aber ist er in Neuental, deshalb geht dort vielen Menschen Marcels Schicksal nahe. Zu ihnen gehört auch Jörg Metze. Er hatte im vorigen Jahr in der HNA gelesen, dass Marcel gerne einmal ohne Eltern auf Reisen gehen würde.

Dieser Wunsch rührte den 51-Jährigen so an, dass er sich im Wortsinne auf den Weg machte: Jörg Metze ging von Haustür zu Haustür und sammelte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 1200 Euro kamen zusammen. Die beiden jungen Männer waren so dankbar über die Spende, dass sie jeden Euro einzeln umdrehten und mit nur 500 Euro auskamen. Für Marcel bedeutet dieser Sparwille, dass er sich freuen kann: Im Frühjahr will er erneut mit Timm in den Norden starten. Er überlegt sich schon jetzt, was er dann noch alles in Hamburg anstellen kann.

Zuhause verbringt er viel Zeit mit Musikhören, am Computer und mit Nachdenken. Vor allem darüber, ob und wo er ein Praktikum leisten oder auch arbeiten könnte. Am Computer kennt er sich gut aus, einen guten Realschulabschluss hat er nach dem Unterricht daheim längst in der Tasche.

Marcel Szkucik macht einen zuversichtlichen Eindruck: „Es geht mir gut“, sagt der 22-Jährige. „Ich versuche einfach, aus jedem Moment das Beste zu machen.“

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