Flüchtlinge leben unter üblen Bedingungen: Missstände in Wohnungen

Ein desolates Bild: Die Wohnhäuser in der Borkener Habichtswaldstraße. Flüchtlingshelfer Rolf Waldeck vor den Häusern, die mit Vermüllung und Zerstörung von sich reden machen. Foto: Brandau
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Ein desolates Bild: Die Wohnhäuser in der Borkener Habichtswaldstraße. Flüchtlingshelfer Rolf Waldeck vor den Häusern, die mit Vermüllung und Zerstörung von sich reden machen.

Borken. Manche Flüchtlinge in Borken wohnen unter üblen Bedingungen: Rolf Waldeck, Organisator der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, kritisiert die Missstände, die in einigen Wohnungen in der Habichtswaldstraße herrschen.

Dort gebe es oft weder Warmwasser noch Strom, Heizung und sanitäre Anlagen fielen oft aus. „Das ist menschenunwürdig", sagt Waldeck.55 Erwachsene und acht Kinder leben in den Gebäuden, die in den 1960er-Jahren nahe des Wasserturms errichtet worden waren. Deren baulicher Zustand sei erschreckend, sagt Waldeck. Von den insgesamt 18 Wohnungen, die der Landkreis dort für Flüchtlinge angemietet hat, befänden sich sechs in einem schlimmen Zustand. Regen sickere durchs Dach, Badewasser laufe durch die Decke ins nächste Geschoss, zudem habe sich an vielen Wänden Schimmel gebildet, der eine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner darstelle. Waldeck ist frustriert: „Einen großen Teil der Zeit, die ich eigentlich für die Betreuung der Menschen aufwenden wollte, muss ich versuchen, solche Probleme zu lösen.“

Jetzt will der Landkreis als Mieter der Wohnungen dafür sorgen, dass die Missstände abgestellt werden. Er will den Eigentümer auffordern, rasch Abhilfe zu schaffen. Sollte das nicht geschehen, habe der Landkreis das Recht, eine Mietminderung vornehmen, sagte Sprecher Stephan Bürger auf Anfrage.

Zudem werde der Landkreis den Bewohnern der betroffenen Wohnungen eine neue Unterkunft anbieten. „Niemand muss unter solchen Umständen wohnen“, betont Bürger. Außerdem werde der Landkreis die Zahl der hauptamtlichen Orientierungshelfer erhöhen: Die jetzigen 7,5 Stellen sollen um weitere sechs Stellen aufgestockt werden. Die Orientierungshelfer sollen verlässliche Ansprechpartner darstellen - und die Flüchtlingshelfer entlasten.

Der Schwalm-Eder-Kreis hat bislang 600 Wohnungen in der Region gemietet, um Flüchtlinge unterzubringen - Tendenz steigend. Um all diese vielen Unterbringungsmöglichkeiten überhaupt verwalten zu können, sei echte Professionalität gefragt, sagt Landkreis-Sprecher Stephan Bürger. Deshalb werde der Schwalm-Eder-Kreis ein internes, neues Wohnungsmanagement aufbauen. Dafür soll auch ein ausgewiesener Immobilenexperten eingestellt werden, der einen fachmännischen Blick auf die Eigentümer und Objekte habe. Ziel des Landkreises sei es aber weiterhin, so viele Flüchtlinge wie nur möglich dezentral in kleineren Wohneinheiten unterzubringen.

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