Denkmal hängt am Haken: Mahnmal für die Toten des deutsch-französischen Krieges zieht auf den Alten Friedhof

Sie bauen das Kriegerdenkmal behutsam ab: Frank Eubel (links) und Carsten Goerlich. Foto: Laumann

Fritzlar. Stein um Stein, Schicht um Schicht: Behutsam tragen Carsten Goerlich und Frank Eubel das Kriegerdenkmal am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ab.

Dabei darf nichts zu Bruch gehen. Das Denkmal, das an die aus Fritzlar stammenden Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/1871 erinnert, soll nämlich an anderer Stelle wieder errichtet werden: auf dem Alten Friedhof Fritzlar.

Seit 1913 steht das Denkmal auf dem Gelände des Hospitals zum Heiligen Geist. Auf den Steinen thronte einst ein Adler aus Kupfer. Als Zeichen der Trauer waren die Flügel angelegt. Der Adler wurde im Fritzlarer Volksmund „die Ulle“ (die Eule) genannt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Adler eingeschmolzen. „Kriegswichtiges Material zählte mehr als Pietät“, erklärt Dr. Ulrich Skubella von Pro Fritzlar. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auf dem Domplatz ein Denkmal für die Kriegstoten errichtet. In den 1960er-Jahren wurde es abgebaut. Die krönende Löwenskulptur lagerte einige Jahre auf dem Hof des Museums Hochzeitshaus, ehe sie auf das Denkmal von 1870/1871 gesetzt wurde.

Doch nicht nur das Denkmal, auch die Umgebung hat sich in den Jahrzehnten verändert. Inzwischen ist das Bauwerk von Autos und Containern eingerahmt. „Der Standort ist unwürdig. Das kann man so nicht gutheißen“, sagt Skubella.

Besserer Standort

Der Verein setzte sich für den Umzug auf den Alten Friedhof ein. Dort gibt es bereits andere Denkmäler und bemerkenswerte Grabsteine. „Das Kriegerdenkmal wird dort einen weitaus besseren Stand haben“, erklärt Skubella. Unterstützung für die Umsetzung gibt es vom Hospital und der Stadt Fritzlar. Pro Fritzlar fand zudem zahlreiche Spender. 8000 Euro wird der Umzug unterm Strich kosten. „Manche Fritzlarer halten das Projekt für überflüssig, weil Denkmäler dieser Art unzeitgemäß sein“, sagt Skubella. Der Vorsitzende von Pro Fritzlar lässt dieses Argument jedoch nicht gelten. „Das Denkmal ist ein Zeitdokument“, sagt er. Der Respekt vor den Gefallenen gebiete es, das Denkmal zu erhalten.

Bevor das Denkmal auf dem Alten Friedhof aufgestellt werden kann, muss der Bauhof noch das Fundament dafür schaffen. Skubella hofft, dass rechtzeitig zum Tag des offenen Denkmals am 11. September alles fertig ist.

Von Anke Laumann

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