21. Homberger Künstlertreff in der Stadthalle: Picasso-Plagiat war der Hingucker – 30 Künstler aus der Region stellten aus

„Ein echter Kujau ist auch was wert“

Ein berühmtes Bild von Picasso, gemalt von einem berühmten Fälscher: Ute und Karl-Wilhelm Dörfler schauten sich mit Organisator André Grabczynski beim Künstlertreff das Plagiat an.

Homberg. Ein fast echter Picasso, aber ein echter Kujau war die Sensation beim Homberger Künstlertreff. Der Fälscher der Hitler-Tagebücher, Konrad Paul Kujau, hat auch Gemälde kopiert. Eines davon ist das berühmte Bild, das Picasso einst von seinem dreijährigen Sohn anfertigte.

Das Plagiat war der Hingucker und stand auch zum Verkauf. „Ein echter Kujau ist auch richtig was wert“, sagte der Leiter des Künstlertreffs, André Grabczynski.

Der Treff öffnete am Wochenende das erste Mal in seiner Laufzeit auch am Freitag seine Tore, um die Öffnungszeiten auszuweiten. Und die 30 Künstler aus Homberg und der Region stellten erstmals im September aus. „Wir wollten das Event noch in der warmen Jahreszeit bieten“, sagte Grabczynski.

„Wir versuchen jedes Jahr ein Highlight zu bieten.“

André Grabczynski

Der Künstlertreff, Tradition des Homberger Kulturrings seit 21 Jahren, soll Schritt für Schritt ein neues Kleid erhalten. „Wir versuchen jedes Jahr ein Highlight zu bieten“, sagte Grabczynski. Der Kujau war eine Leihgabe eines Kreisbewohners, der nicht genannt werden möchte. Er kannte Kujau und hatte das Bild vor 25 Jahren von ihm erstanden.

Über diese Attraktion hinaus sei der Künstlertreff vor allem eine Plattform. „Wir sehen ihn als Forum für die Künstler der Region“, sagte Grabczynski. Es gebe weit über 100 Künstler im Schwalm-Eder-Kreis, die sonst in Homberg kaum zur Geltung kommen würden.

Es gebe an vielen Orten kleine Galerien wie die Kulturscheune in Fritzlar. Das sei in Homberg nicht der Fall, daher wurde der Künstlertreff als regelmäßiges Forum geschaffen. Die Palette reichte von Malerei über Bildhauerei, Fotografie bis hin zu Literatur und Theater. Ziel sei es, Künstler miteinander in Verbindung zu bringen. Die Anzahl der Aussteller schwanke und auch die Künstler wechselten öfter. Man könne nicht nur die künstlerischen Fortschritte einzelner sehen, in welchen Stilen sie sich ausprobieren, sondern auch voneinander lernen und sich inspirieren lassen.

Grabczynski leitet die Ausstellung das zweite Mal und hatte die Idee auch am Freitag, die Pforten zu öffnen. Ute und Karl-Wilhelm Dörfler nahmen das gern wahr, weil sie am weiteren Wochenende keine Zeit dafür hatten.

Überraschung gab es bei den Fotografien von Erhard Scherf. Mit seinen lebensgroßen Körperbildern zeigte er Einblicke ins Nacktsein, ohne dass der Akt anrüchig wirkt. Der Fotograf aus Niederurff interessiert sich seit Jahren für den menschlichen Körper. „Er ist Teil der Identität. Ich möchte zeigen, wie stark und zerbrechlich er zugleich ist.“ Er fotografierte Menschen mit Makeln oder Verletzungen, die auf einer Glasplatte lagen, von unten hindurch.

Hingucker waren auch die Nachahmungen von Iris Kramer, die nun in Marburg lebt, aber aus Homberg stammt. Sie hatte in ihrer Schulzeit berühmte Ölgemalde nachgeahmt, die nun im Seniorenheim St. Marien hängen, und zeigte sie der Öffentlichkeit.

Im Speisesaal war eine kleine Ausstellung mit Bildern von Günther Roßmüller und einer Erinnerungstafel zu sehen. Der ehemalige Leiter des Künstlertreffs hatte die Kunstwerke noch kurz vor seinem Tod, zum Teil eigens für den Künstlertreff, angefertigt.

Von Christine Thiery

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.