Engelapotheke: Vor Abriss und Umbau stehen Sicherungsarbeiten an

Handwerker Torsten Borkowski und Bürgermeister Dr. Nico Ritz machen im Dachgeschoss mit einem Zollstock deutlich, wie weit sich das Haus abgesenkt hat.

Homberg. Es ist wieder Leben in der ehemaligen Engelapotheke in Homberg: Zwei Handwerker arbeiten sich Geschoss um Geschoss vor. Sie sichern das Gebäude. Denn vor dem Ausbau steht ein Abriss an. Nächste Woche soll es soweit sein, der Anbau des historischen Gebäudes wird abgerissen.

Damit kommen zwei Homberger Vereine ihrem großen Ziel einen Schritt näher: Sie wollen in das mächtige Fachwerkhaus am Marktplatz ziehen. Beide beschäftigen sich mit der Geschichte der Stadt - der Verein „Haus der Reformation“ (Erdgeschoss) und die „Burgberggemeinde“ (erstes Obergeschoss) mit ihrem Museum.

Doch bis die Vereine einziehen können, gibt es noch viel zu tun, wie Handwerker Torsten Borkowski von der Firma Hess und Büse bei einem Rundgang erklärt.

Elf so genannte Zugböcke, die das Haupthaus auf der Seite des Anbaus sichern sollen, stellen er und sein Kollege Jonas Gibhardt in den Etagen auf. Das sei dringend nötig, sagt er. Warum das so ist, wird nicht nur beim Blick auf die bereits freigelegten Balken deutlich, von denen viele in einem schlechten Zustand sind. „Manche sind nicht so dick, wie sie mit der Verkleidung aussehen, andere sind schadhaft. Damit haben wir gerechnet“, sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Überraschend sei jetzt nur, wo die Schäden auftreten, ergänzt Bauamtsleiter Heinz Ziegler.

Schlechter Zustand

Noch deutlicher werde der schlechte Zustand des Hauses im Dachgeschoss, sagt Borkowski und hält dort seinen Zollstock in die Höhe. Tatsächlich: Es wirkt fast, als würden die Dachbalken schweben, sie liegen nicht auf den dafür vorgesehenen Hauptträgern auf. „Das Haus hat sich gesenkt“, sagt Borkowski und misst nach - 13 Zentimeter Luft zu den Hauptträgern. „Fachwerk verzeiht viel“, fügt er hinzu.

Um das Haus später noch weiter zu festigen, soll auch der schwere Steinboden im Dachgeschoss abgetragen werden. Teile davon kommen ins Erdgeschoss.

In den nächsten Tagen werden noch mehrere 7,40 Meter hohe Stützen an einer Hauswand aufgestellt. Ebenfalls zur Sicherung während der Abrissarbeiten an einem Anbaus, der von der Denkmalpflege als „belanglos“ und „nicht erhaltenswert“ eingestuft wird.

Neue Freifläche

Durch den Abriss des Erweiterungsbaus entstehe eine neue Freifläche von 200 Quadratmetern. Stimme das Parlament auch für den Abriss des Anbaus an das direkt angrenzende Bauamt, entstehe sogar noch mehr Raum. Wie man diesen dann gestalten könne, sei völlig offen.

Im April 2017 soll das Erdgeschoss der einstigen Engelapotheke bezugsfertig sein, und die Burgberggemeinde plant ihren Einzug ebenfalls für das nächste Jahr. Dann werden nicht mehr nur zwei Handwerker für Leben in der seit Jahren leer stehenden Engelapotheke sorgen.

In Kürze

Zwei weitere Etagen

Möglich wäre auch der Ausbau des 2. und 3. Obergeschosses als Wohnraum - diese Option haben sich die Stadtverordneten offen gehalten. Schön seien die hohen Räume und der Fernblick aus den oberen Etagen, sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Und: Es wäre schade, wenn der Ausbau nicht beschlossen würde. Nicht ausgebaut werden soll das Dachgeschoss.

Die Kosten

863 000 Euro wird die Komplettsanierung der Engelapotheke kosten. 45 000 Euro davon entfallen auf die Abriss- und Sicherungsarbeiten. Die Einrichtung des Burgbergmuseums im sanierten 1. Obergeschosse und des Hauses der Reformation im sanierten Erdgeschoss soll durch Leader-Förderung und die zugesagten Eigenanteile der Vereine übernommen werden.

Das Archiv

Der Umzug des Heimatkundlichen Archivs in die 2. Etage des Hauses ist anders als von dem Verein erhofft, aus statischen Gründen nicht möglich. Das Inventar wäre zu schwer (wir berichteten).

Termin: Einen Blick in die ehemalige Engelapotheke kann man beim Tag des offenen Denkmals am 11. September werfen. Dann ist das Haus von 10 bis 16 Uhr geöffnet, und es werden Führungen angeboten. Kontakt: Heinz Ziegler, 05681/994140.

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