Putzaktion: Heute werden die Stolpersteine in Bad Zwesten zum ersten Mal gereinigt

Erinnerung aufpolieren

Steine sollen glänzen: Dr. Stefan Pollmächer und Helfer wollen heute die Stolpersteine polieren. Wer mit ihnen dabei ins Gespräch kommen will, ist dazu eingeladen. Foto: Yüce

Bad Zwesten. Sie sollen glänzen und an jüdische Menschen erinnern, die in der NS-Zeit ermordet wurden: die Stolpersteine. In Bad Zwesten wurden hessenweit die ersten Steine verlegt. Acht Jahre ist das her. Einige der Steine haben mittlerweile ihren Glanz verloren. Heute werden alle 17 Steine zum ersten Mal poliert.

Grund dafür: Heute gedenkt Deutschland der Pogromnacht. Anfang November 1938 wurden Hunderte Menschen jüdischen Glaubens ermordet, Synagogen zerstört, Geschäfte und Wohnungen verwüstet. In Bad Zwesten soll mit dem Reinigen der Steine daran und an die Menschen, die darunter gelitten haben, erinnert werden.

Eine Dose Poliermittel hat Dr. Stefan Pollmächer schon griffbereit. Mittwoch um 9 Uhr geht es los. „Nur wenn auf die Steine getreten wird, behalten sie ihren Glanz“, sagt Pollmächer. Andernfalls beschlage die Messingplatte. „Aber die Inschriften sind immer lesbar“, fügt er an und verrät, dass auch er nicht auf die Steine tritt. „Weil man auch mit den Gedanken darüber stolpert. Das ist Kunst, die bewegt“, sagt er. Eine Herabwürdigung der Holocaust-Opfer bedeute der Tritt auf die Steine aber keinesfalls, ganz im Gegenteil: Die Interpretation von Erfinder Gunter Demnig sei, dass Menschen auf den Boden schauen, wenn sie die Steine betreten, und sich auf diese Weise vor den Gedenktafeln verbeugen.

„Wir sind mächtig stolz“, sagt Pollmächer mit Blick darauf, dass Bad Zwesten in Hessen der Ausgangspunkt für das Stolperstein-Projekt war – mit Hilfe von Schülern, die sich an dem Projekt beteiligt haben und mit Unterstützung der Politik. „Die Kosten für die ersten zehn Steine wurden von der Gemeinde übernommen“, sagt er. Von der Idee bis zur Ausführung vergingen nur wenige Monate. 2005 folgten dann weitere sieben Steine und im nächsten Jahr sollen zwei bis drei neue Steine hinzukommen.

Mittlerweile haben sogar andere Städte und Gemeinden bei den Initiatoren aus Bad Zwesten um Rat gefragt. „Zahlreiche Orte sind uns gefolgt, auch im Schwalm-Eder-Kreis“, sagt Pollmächer.

Von Maja Yüce

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