Die Feldjäger der Bundeswehr: Ermittler sichten jede Scherbe

Die Dokumentation gehört dazu: Nach einem Einsatz werden die Beobachtungen in einem Bericht festgehalten.

Fritzlar. Die Feldjäger sind die Militärpolizei der Bundeswehr. Eine Kompanie ist in Fritzlar stationiert. Wir stellen in einer Serie ihre Aufgaben vor. Heute: die Gruppe „Erhebung und Ermittlung“.

Der Soldat liegt zwischen Zigarettenstummeln und Bierflaschen. Um seine rechte Hüfte hat sich eine Blutlache gebildet, sein Gesicht ist auf den Betonboden gedrückt. Für den jungen Mann kommt jede Hilfe zu spät. Die Ärzte und Sanitäter sind abgerückt, jetzt übernehmen die Feldjäger. Sie haben ihre Schutzanzüge angezogen. Vorsichtig betreten sie den Tatort. „Hände in die Hosentaschen und Blick ins Gelände“, gibt Hauptfeldwebel Sebastian Schwarzburg vor.

Auch wenn es sich an diesem Tag nur um eine Übung handelt und anstelle eines verstorbenen Soldaten dort eine Puppe liegt: Alles soll in der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne so realistisch wie möglich sein. Drei Soldaten zeigen, wie ein Einsatz der Feldjäger-Gruppe „Erhebung und Ermittlung“ abläuft.

Die Aufteilung 

Die drei Soldaten nehmen zusammen den Tatort auf. Ein Soldat fotografiert, einer kennzeichnet die Spuren und einer fertigt eine Übersichtsskizze an und verteilt die Aufträge. Letzterer ist an diesem Tag Hauptfeldwebel Sebastian Schwarzburg. Er schult die beiden jungen Soldaten, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchten. Schwarzburg teilt den Tatort in vier Bereiche ein. „Dann können wir bei der Dokumentation die Spuren eindeutig zuordnen“, erklärt er.

Die Spuren 

Scherben, Zigaretten, ein mit Blut getränktes Tuch. Alles wird dokumentiert, fotografiert und sichergestellt. Die beiden jungen Soldaten bewegen sich vorsichtig rund um den Tatort am Heizkraftwerk. Sie gehen den selben Weg, um keine Spuren zu hinterlassen Sie stellen Spurenkarten auf. Alles, was sie finden, wird in Papier- und Folientüten gesichert. Alles wird indiziert, nicht aber interpretiert, erklärt Schwarzburg.

Später sollen anhand der Hinweise die Geschehnisse rekonstruiert werden. Die Soldaten müssen akribisch und professionell arbeiten. Das Szenario sieht vor, dass der Soldat von einem Schornstein gestürzt ist. Textilspuren am Schornstein deuten darauf hin.

Der Körper 

Hauptfeldwebel Schwarzburg blickt auf den leblosen Körper und spricht in sein Diktiergerät: „Augenscheinlich Soldat mit Uniform. Totenstarre eingesetzt, Prellmagen, äußere Einwirkungen können ausgeschlossen werden.“

Es ist die erste Leichenbesichtigung. Die zweite folgt im Einsatzlazarett. Dann sind Ermittler der Feldjäger, ein Bundeswehr-Arzt und ein Rechtsberater dabei.

Der Bericht 

Was für die HNA in einer halben Stunde nachgestellt wird, würde bei einem Einsatz mehrere Stunden dauern. Erst wenn alle Spuren aufgenommen sind, verlassen die Feldjäger den Tatort. Anschließend dokumentieren sie alles. Der Bericht geht an die zuständige Staatsanwaltschaft.

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