Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung - 33-Jähriger misshandelte seine Kinder

Fritzlar. Zwei Jahre Haft gab es für den 33-jährigen Familienvater, der seine Kinder misshandelt hatte. Zudem hielt das Gericht die Unterbringung des Verurteilten in einer geschlossenen Klinik für erforderlich.

In langer Verhandlung hatte sich mehrfach die Drogen-, Alkohol- und Spielsucht des Mannes herausgestellt. Mit Berücksichtigung auf einige Zeugenaussagen und die aktuelle Situation wurde das Urteil jedoch unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. Es wurde eine Führungsaufsicht, eine strengere Form der Überwachung, angeordnet.

Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entscheidung leistete der Bericht des geladenen Gutachters. Durch ihn wurde 2015 der Mann als Patient stationär aufgenommen. Bisher hält er die Therapie durch, die langfristig angelegt ist.

Noch einmal wurden die Abläufe beleuchtet, die zu den Kindesmisshandlungen führten. Mit 18 Jahren hatte der Täter eine wesentlich ältere Frau kennengelernt. Sie hatte bereits acht Kinder. Nach der Heirat kamen fünf eigene dazu. Trotz behördlicher Hilfen gelang es nicht, den familiären Alltag zu bewältigen.

Die Mutter war häufig krank. Der Vater konnte neben seiner anstrengenden Arbeit den Haushalt nicht in den Griff bekommen. Alkohol und Drogen führten den Kindern gegenüber zu gefährlichem, bis zu lebensgefährlichem Verhalten. „Im Rausch ging der Vater hoch wie das HB-Männchen“, stellte der Gutachter fest. Insgesamt wurden zehn Taten geahndet, die einzeln geurteilt 62 Monate Haft erbracht hätten.

Im März 2014 wurden alle Kinder von Amts wegen untergebracht. Der Vater hielt sich an das Kontaktverbot. Er wurde seitdem in keiner Form straffällig. Die schwere Suchttherapie hatte er 2015 freiwillig begonnen und bisher durchgehalten.

Mit Vorsicht verwies der Gutachter auf eine positive Prognose. Das Gericht berücksichtigte außerdem, dass durch Geständnisse zumindest den kleineren Kindern eine Aussage erspart blieb. Einige Zeugenaussagen verwiesen auch auf gute Erinnerungen.

Dem Plädoyer des Staatsanwaltes schloss sich die Verteidigung an. Das Gericht hielt sich im Wesentlichen an die geforderte Strafzumessung. Die Vorsitzende mahnte den Verurteilten: „Das Vertrauen der Kinder haben Sie auf das Schwerste enttäuscht.“

Der Vater muss lernen, mit seiner Suchtkrankheit umzugehen. Irgendwann wird ihm auch die furchtbare Schuld am Geschehen bewusst werden. Lebenslang wird die Erinnerung an diese Zeit unter dem Deckel der Familie den Kindern bleiben.

Von Michael Meinicke

Rubriklistenbild: © dpa

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