Gedanken stolpern: Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Familie Speier

Blick zurück: (stehend von links) Hans-Peter Klein, Bürgermeister Bernd Heßler, Joanie Swenson, sie ist die Tochter von Dennis und Jacqueline (Jackie) Aron, Sohn Zach Zacharias, Jacki Aron, Enkelin Sydney Swenson, in der Mitte Dennis Aron mit Gunter Demnig. Foto: Zirzow
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Blick zurück: (stehend von links) Hans-Peter Klein, Bürgermeister Bernd Heßler, Joanie Swenson, sie ist die Tochter von Dennis und Jacqueline (Jackie) Aron, Sohn Zach Zacharias, Jacki Aron, Enkelin Sydney Swenson, in der Mitte Dennis Aron mit Gunter Demnig. Foto: Zirzow

Borken. Das Haus in dem sie lebten existiert nicht mehr, aber in der Borkener Straße „An der Kirche" erinnern jetzt vier Stolpersteine an das Schicksal der Familie Speier. Es sind die ersten Stolpersteine, die in Borken verlegt wurden.

Ausgangspunkt war im Herbst 2012 ein Gespräch zwischen Bürgermeister Bernd Heßler und dem aus den USA angereisten Dennis Aron. Dessen Mutter Brunhilde Speier, der 1937 die Flucht nach Übersee gelang, wohnte mit ihren Eltern Levi und Franziska Speier sowie ihrer Schwester Ursula, die alle drei 1941 Opfer des Holocaust wurden, in einem Haus in der Nähe der Borkener Stadtkirche.

Nicht vergessen

Jetzt war Dennis Aron zusammen mit seiner Familie dabei, als der Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte. Pfarrer Jochen Löber erinnerte daran, dass es wichtig sei, Menschen die einmal zu uns gehörten, nicht zu vergessen. Dem Seelsorger war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Stolperstein nicht die Füße, sondern den Blick „stolpern“ lassen soll, denn man bleibe vor diesen kleinen, hell glänzenden Namensschildern unwillkürlich stehen.

„Sie sollen zum Nachdenken anregen und unsere Füße auf den Weg des Friedens und der Toleranz stellen. Ganz im Sinne Jesu, des Juden aus Nazareth“ sagte Löber vor seinem abschließenden Gebet.

Erinnern: Die Stolpersteine in Borken. Foto: Zirzow

Bürgermeister Bernd Heßler erinnerte daran, dass in Borken im Jahre 1930 insgesamt 153 Personen in 38 jüdischen Familien lebten und als Lehrer, Metzger, Viehhändler und Geschäftsleute tätig waren, und dass nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Bergmannsstadt keine Juden mehr lebten.

Jetzt wisse man dank der Informationen von Dennis Aron viel mehr über die einstige Familie Speier. Heßler betonte, dass die Stolpersteine nicht nur an ein Familienschicksal erinnern, sondern darüber hinaus die gesellschaftliche Frage nach dem Umgang der Menschen miteinander aufwerfe: „Stolpersteine sollen Denkanstöße geben. Sie zeigen, wie nah sich Nationalsozialismus vor der eigenen Haustür abgespielt hat.“

Dennis Aron bedankte sich in seiner ergreifenden Rede bei den Verantwortlichen der Stadt und besonders bei Gunter Demnig, dessen persönlicher Verdienst es sei, Stolpersteine für mehr als 45.000 Männer, Frauen und Kinder verlegt zu haben, die im Holocaust verfolgt und ermordet wurden.

Von Rainer Zirzow

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