Geschichtsverein Fritzlar: Münze aus 13. Jahrhundert ersteigert

Er hat die Münze aus dem 13. Jahrhundert für den Geschichtsverein ersteigert: Vorsitzender Clemens Lohmann. Fotos: Laumann

Fritzlar. Eine kleine Münze aus dem 13. Jahrhundert ist der neueste Schatz von Fritzlars Stadtarchivar Clemens Lohmann. Sie ist gerade einmal ein halbes Gramm schwer.

Er legt die kleine Münze auf den schweren Holztisch im Fritzlarer Stadtarchiv. In Watte und durch eine durchsichtige Hülle geschützt, erinnert das Exemplar an längst vergangene Zeiten.

Die Münze muss zwischen 1230 und 1245 in Fritzlar gefertigt worden sein, erklärt Lohmann. Sie ist jedoch erst seit kurzem wieder in der Domstadt. Der Geschichtsverein hat sie bei einer Auktion im niedersächsischen Osnabrück ersteigert.

Das Material

Die Münze ist aus Kupfer und Silber. Da sie nur einseitig geprägt ist, wird sie auch als Brakteat bezeichnet. Brakteate wurden früher immer wieder widerrufen, für ungültig erklärt und aus dem Verkehr gezogen. Gauner haben immer wieder versucht, sie zu fälschen. Sie haben beim Beizen versucht, das Kupfer anzugreifen. Hinterher sollte alles so aussehen, als hätte die Münze einen höheren Silberanteil. Wurde ein Brakteat widerrufen, musste ein neues her. Mit einem anderen Motiv.

Das Motiv

Das Brakteat zeigt einen stilisierten Bischof samt Bischofsstab sowie zwei stilisierte Kirchen. Es wurde geprägt, als der Erzbischof Siegfried III. von Mainz mit dem Landgrafen Konrad von Thüringen im Clinch lag. Im Jahr 1232 eroberte Konrad die damals mainzische Stadt Fritzlar. Die Stadt wurde dabei zerstört.

Das Motiv spielte im Alltag der Menschen eine wichtige Rolle. Viele waren damals Analphabeten. Sie konnten keine Zahlen lesen und mussten die Brakteate anhand ihres jeweiligen Motivs unterscheiden.

Versteigerung

Der Zufall spielte dem Geschichtsverein in die Hände. Immer wieder bekommt der Vorsitzende Lohmann Auktionskataloge zugeschickt. Nach Epochen und Region sind die zu versteigernden Exponate darin aufgelistet. Unter Fritzlar stand dort eben diese Münze.

Am Telefon hat Lohmann das Höchstgebot abgegeben: 1000 Euro. Der Hammer fiel schließlich bei einem mittleren dreistelligen Betrag. „Das ist ein angemessener Preis“, sagt Lohmann.

Der Weg der Münze

Welchen Weg die Münze in den Jahrhunderten genommen hat und in wessen Besitz sie zuletzt war, weiß Lohmann nicht. Er geht davon aus, dass damals tausende Brakteate im Umlauf waren. Wie viele davon noch erhalten sind, sei unklar.

Die Pläne

„Das Brakteat hat einen klaren Bezug zu Fritzlar“, erklärt Lohmann. Der Geschichtsverein werde es daher der Stadt für das Stadtarchiv übereignen. Die Prägung könnte ausgestellt werden.

Von Anke Laumann

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