Ausstellung im Kulturhaus Synagoge zeigt Teppichmosaike von Josef Mertin

Ein unvollendetes Werk: Benjamin Schäfer (Geschäftsführer Deutsche Märchenstraße) und eine Besucherin bestaunen eine Arbeit von Josef Mertin. Foto: Zecher-Christ
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Ein unvollendetes Werk: Benjamin Schäfer (Geschäftsführer Deutsche Märchenstraße) und eine Besucherin bestaunen eine Arbeit von Josef Mertin.

Gudensberg. Eine Ausstellung der besonderen Art gibt es seit Samstagabend im Gudensberger Kulturhaus Synagoge zu bewundern. Unterm Motto „Verlegte Kunst" werden Teppichmosaike von Josef Mertin gezeigt.

Die 41 Werke, zusammengefügt aus Teppichresten, zeigen Märchenmotive und Ansichten aus der Grimm-Heimat. „Er gehört zur Geschichte von Gudensberg dazu, ist ein bekannter Heimatforscher gewesen“, sagte Bürgermeister Frank Börner. Auch ehrenamtlich sei er engagiert gewesen und habe ihn oft im Büro aufgesucht. „Ich habe damals aber noch nicht gewusst, dass er so tolle Mosaike und Malereien erstellt“, betonte er.

Der Zeitpunkt der Ausstellung sei zum Jubiläum „200 Jahre Deutsche Sagen der Brüder Grimm“ gut gewählt. „Es ist ein Schatz, den wir heute heben wollen“, betonte Börner. Die Schatztruhe von Gudensberg habe viele Schätze zu bieten, mit Josef Mertin mache man den Anfang.

Mertin war Autodidakt

Benjamin Schäfer (Geschäftsführer Deutsche Märchenstraße) sagte über die Mosaike: „Sowas habe ich noch nicht gesehen. Es ist einmalig.“ Der Gudensberger Jürgen Preuß informierte mit dem Bildvortrag „Von Dissen nach Japan“ über Mertins Leben und künstlerisches Wirken. „Was sein Kunstschaffen betrifft, so schreibt er selber, dass er es sich im Wesentlichen autodidaktisch angeeignet hat“, sagte Preuß. Zunächst habe er Zeichnungen mit Bleistift, Tusche und Kohle sowie Aquarell- und Ölbilder angefertigt. In der Gewerbeschule habe er die Fächer Malkunst und Dekorationsmalerei belegt. Er habe Teller bemalt, sich einer Mischtechnik aus Papier, Pappe und Ölfarbe gewidmet und letztendlich dem Teppichmosaik.

„Er hat viele Arbeiten mit religiösem Hintergrund, Landschaften in unterschiedlichen Techniken und den ganzen Bereich Märchen und Sagen als Motive gewählt“, sagte Preuß. In seiner Zeit in Japan habe er Trachtenmotive, Stadtansichten, Natur und deutsche Volkslieder als Mosaike verewigt. Mit 70 Jahren habe Mertin sogar Japanisch gelernt, um den Japanern seine Arbeiten zu erklären. „Ich möchte mich herzlich, auch im Namen meines Mannes, für die Würdigung meines Vaters bedanken“, sagte Hannelore Winkelhöfer, aus deren Archiv die Teppichmosaike stammen.

Der Abend wurde umrahmt von Musikkabarettist Jochen Faulhammer und Christine Weghoff (Akkordeon). Sie trugen unter anderem ein Werk vor, bei dem es galt, Märchen der Grimms zu erraten.

Von Nadja Zecher-Christ

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