Tag des Handwerks: Uwe Kieling schafft Schönes aus Stein

Steine faszinieren ihn: Uwe Kieling ist Steinmetz und Bildhauer. Den Brunnen vor seinem Betrieb hat er selbst gestaltet. Der Basalt stammt aus einem Steinbruch bei Zimmersrode. Foto: Laumann

Homberg. Uwe Kieling aus Homberg ist Steinmetz. Und Bildnhauer. Als Vertreter eines alten, traditionsreichen Handwerks stellen wir ihn zum Tag des Handwerks vor.

Einen Stein einfach mal Stein sein lassen. Das kann Uwe Kieling nur beim Klettern. Wenn er in der Schweiz Gipfel erklimmt, liebt er das Natürliche der Felsen. In seiner Werkstatt in Homberg bearbeitet der 54-Jährige den Werkstoff nach allen Regeln der Kunst. Dann ist der Steinmetz und Bildhauer von Petrax Naturstein ganz in seinem Handwerk.

„Ich nutze die Technik voll aus“, sagt Uwe Kieling. Der Homberger arbeitet mit Stein und Meißel - ganz so wie die Ägypter vor 4000 Jahren. Und er setzt auf moderne Maschinen. Die softwaregestützten Fräsen arbeiten millimetergenau. Trotz der Technik: „Vom Handwerk geht nichts verloren“, sagt Kieling, der den Betrieb in vierter Generation führt.

„Jeder Stein ist anders. Man muss ein Verständnis dafür bekommen, wie man ihn behandeln muss.“

Lange Zeit waren Grabmale das Brot- und Buttergeschäft der Steinmetze. Auch für Kieling. 60 Prozent des Umsatzes machte Petrax mit Grabmalen. „In den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich das gedreht. Grabmale machen nur noch 40 Prozent des Umsatzes aus“, erklärt der Steinmetz. Grund dafür sei eine veränderte Bestattungskultur. Immer weniger entschieden sich für eine Erdbestattung mit einem großen Stein auf dem Grab. Ein weiteres Problem: Viele Steine werden inzwischen im Ausland gefertigt. „Das geht unserer Wirtschaft verloren“, bedauert Kieling.

Der Homberger Familienbetrieb hat sich schon vor Jahrzehnten breiter aufgestellt. Kieling restauriert, saniert, gestaltet Böden, Fensterbänke, Treppen und Brunnen. Seine Werke finden sich in ganz Deutschland, vor allem in Nordhessen. Gerne erinnert sich der 54-Jährige daran, wie er die documenta-Halle in Kassel mit Sandstein aus der Toskana verkleidet hat.

Autobahnkapelle

Aus zehn Tonnen Rohmaterial sind die Kanzel und der Altar der Homberger Stadtkirche entstanden. Und für die Autobahnkapelle am Lohfeldener Rüssel in Kassel hat er eine 2,40 Meter hohe Lichtstele gestaltet.

Für Arbeiten wie diese brauche der Steinmetz zwei Dinge. Das eine ist Respekt vor dem Stein. „Jeder Stein ist anders. Man muss ein Verständnis dafür bekommen, wie man ihn behandeln muss“, erklärt Kieling. In seinem Job habe er es mit Basalt aus Großropperhausen und Granit aus China gleichermaßen zu tun. Die Preisspanne reicht von 40 bis 1000 Euro pro Quadratmeter. Das andere, was ein Steinmetz braucht, ist Gestaltungswille. „Wir haben ein Ziel: Wir wollen den Stein schön machen“, sagt Kieling. Dabei greift er gerne auf moderne Technik zurück. „Das hätte Michelangelo auch so gemacht.“

Von Anke Laumann

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