Blick für Keramik - Dr. Horst Makus hat 36 Jahre an einem Buch gearbeitet

Geschafft: Dr. Horst Makus hat in den vergangenen 36 Jahren an seinem gewichtigen Handbuch über „Französische Kunst-Keramik 1860 - 1920“ gearbeitet. Foto: Yüce

Lützelwig. Womit sich Dr. Horst Makus in den vergangenen Jahren beschäftigt hat? „Mit mehr als dem Garten und den Enkeln", sagt er und lächelt. Doch das wüssten nur wenige Menschen. Dann deutet er auf ein Buch.

„Keramik in Frankreich 1860 - 1920". Darunter steht: Ein Handbuch. In den vergangenen 36 Jahren hat Makus an diesem Handbuch gearbeitet - das tatsächlich mehr als ein Handbuch ist.

Stattliche 3,8 Kilogramm wiegt es, hat 584 Seiten und ist prall gefüllt mit Bildern und Wissenswertem über französische Kunstkeramik.

Nach all der Zeit sei es eine Erleichterung, dieses Buch in den Händen zu halten. Über die Literatur sei er zur angewandten Kunst gekommen. Er habe einen Bereich gesucht, in dem noch Entdeckungen möglich waren. Während die Malerei und die Glaskunst sehr populär gewesen seien, war das bei der Keramik anders: „Dort konnte man noch neue Dinge finden und Objekte kaufen, weil die Preise niedriger waren.“ In Archiven in Paris

Weltweit gibt es Museen, die sich auf Kunstkeramik spezialisiert haben. Makus, der als Schulpsychologe arbeitete, verbrachte viele Stunden seiner Freizeit in Museen und Archiven - vorzugsweise in Paris, denn schnell wurde die französische Kunstkeramik sein Steckenpferd. Er schrieb zahlreiche Artikel zum Thema in Fachzeitschriften und hat als Fachautor seit 1981 eigene Bücher veröffentlicht.

Seine Leidenschaft könne man nicht an einem Objekt festmachen, sagt er beim Blättern durch das hochwertig gestaltete, gewichtige Handbuch. Jeder Wandteller, jede Vase, einfach jedes Stück habe eine eigene Geschichte. Und in die tauche er ein. Dabei gehe es ihm natürlich nicht nur um die Optik, sondern vor allem um die Technik. Dann zeigt er auf einen Wandteller, der um 1870 entstanden ist und auf dem eine Winterlandschaft detailgenau zu erkennen ist.

„Es sieht aus wie ein Ölgemälde, dabei gibt es für die Malerei auf Keramik technische Grenzen, weil das Material saugfähig ist“, erklärt er und spricht dann von einer besonderen Brenntechnik, die es ermögliche, dass die aufgemalte Landschaft unverändert erhalten bleibe: Barbotine.

Eigentlich habe er sein Buch auch in französischer Sprache herausbringen wollen, doch sei eine Fachübersetzung teuer. Bis zu 25 000 Euro koste das. Erste Lobesbriefe aus der Fachwelt liegen Makus bereits vor. Unter anderem vom Direktor des Grassimuseums für Angewandte Kunst in Leipzig. Er schreibt: Es sei ein rundherum hocherfreuliches, ästhetisch bezauberndes und vor allem äußerst nützliches Buch.

Womit sich Dr. Horst Makus jetzt beschäftigt? „Ich habe noch einiges vor“, sagt er und lächelt wieder. Ganz sicher könne man ihn zuhause im Garten antreffen, aber auch in Ausstellungen und bei Flohmärkten, denn dort entdecke er ab und an noch eine Keramik-Besonderheit. „Ich habe eine hohe Trefferquote“, erzählt der 82-Jährige. Das sei so etwas wie ein absoluter Blick für Keramik. Und doch ist auch der Experte schon hereingefallen. Einmal habe er auf einem Flohmarkt ein leicht verstaubtes Objekt mit schönem Dekor gekauft, als er es wusch, verschwand die Farbe.

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