Vater des Innenministers berichtet über die Zeit nach dem Mauerfall

Erinnerungen an die Wende: Lothar de Maizière zu Gast in Homberg

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Politik der DDR auf der Schulbühne: von links Schüler Samuel Ramm, Lehrerin Christina Wagner, die jede Jahr prominente Zeitzeugen in die THS einlädt, Lothar de Maiziére und Schulleiter Dr. Ralf Weskamp.

Homberg. Sein Lieblingswort ist „unverzüglich". Warum? Weil mit diesen Worten für den CDU-Politiker Lothar de Maizière die spannendste Zeit seines Lebens begann. Am Donnerstag war der Politiker in Homberg.

Nachdem Günter Schabowski am 9. November 1989 fast beiläufig die Öffnung der Mauer verkündete, war das auch für ihn die Wende. De Maiziére war der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR. In der Theodor-Heuss-Schule Homberg hielt er einen spannenden Vortrag über Mauerfall und Umbruch in der DDR.

Locker streifte er durch die Jahre der Vereinigung Deutschlands, referierte über die Zeiten von Perestroika und Glasnost sowie die wichtige Rolle Michail Gorbatschows. „Er war ein riesiger Hoffnungsträger, der Messias“, sagte er. „Niemals hätten wir geglaubt, dass die Welt sich noch ändern kann.“

Doch das Unglaubliche geschah. Die Mauer fiel. Auch die damalige Rolle Ungarns erwähnte er. Sie seien immer die fortschrittlichsten unter den Kommunisten gewesen, viel freier und liberaler. Viele DDR-Bürger flüchteten kurz vor dem Mauerfall über Ungarn in den Westen.

Nahezu alles sei in den Jahren des Umbruchs Neuland gewesen und Improvisation an der Tagesordnung. „Wir wollten uns abschaffen“, sagte er. Klar sei es gewesen, dass man die Einheit wolle, einen Rechtsstaat, den föderalen Staatsaufbau und die D-Mark zusammen mit der sozialen Marktwirtschaft. „All das waren große Anstrengungen und ein riesiges Chaos.“

Die erste große Herausforderung sei die erste Kammerwahl noch in der DDR gewesen. „Wir hatten noch nie so was wie einen Wahlkampf gemacht“, sagte er. Die meisten Menschen nahmen das erste Mal an demokratischen Wahlen teil. Schreckliche Folge in den ersten Monaten sei der Wegzug der jungen, gut ausgebildeten Leute gewesen. Tausende verließen anfangs monatlich die DDR. „Erst als wir die Zusage machten, dass die D-Mark kommt, konnte der Abfluss gestoppt werden.“

Die kommunale Selbstverwaltung wurde eingeführt, Menschen, die keine Ahnung hatten, in politische Verantwortung gebracht. Er erzählte von der Bildung der Länder. „Schnell war es klar, dass die geschichtlichen Wurzeln dafür die Grundlage bildeten.“

Der Prozess vom Plan zum Markt sei eine große Herausforderung gewesen. „Es knirschte an allen Ecken und Enden.“ Stolz ist er auf den Zwei-plus-vier-Vertrag, der Grundlage für die Wiedervereinigung ist. „Das war die wichtigste Unterschrift, die ich je geleistet habe."

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