Schulleiterin bastelt mit acht Kindern

Matthias-Claudius-Schule: Flüchtlingskinder basteln zum ersten Mal für Ostern

Überraschung: Schulleiterin Gabriela Braun zeigt Sadin und Behnaz was es mit einem Osterei auf sich hat.

Wernswig. Die meisten Grundschüler wissen, was es mit bunten Eiern und Hasen zu Ostern auf sich hat. Doch ein paar Schülern an der Matthias-Claudius-Schule in Wernswig sind diese deutschen Bräuche fremd: Sie feiern zum ersten Mal Ostern in Deutschland.

Acht Kinder aus Flüchtlingsfamilien besuchen die erste und dritte Klasse der Grundschule. Für Schulleiterin Gabriele Braun ist es wichtig, dass sie und ihre Familien sich an der Schule wohl fühlen. „Für uns zählt vor allem die Gemeinschaft“, sagt sie. Deshalb hat das Kollegium das Projekt „Füreinander -- Miteinander“ gestartet. Zusammen mit Regina Waage-Gottschalk aus Fritzlar leitet Braun das Programm.

Dass Ostereier den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten unbekannt sind, wissen sie. „Das hat nichts mit ihrer Kultur oder Religion zu tun“, erklärt Braun. Im Vordergrund stehe die gemeinsame Aktion - ungeachtet der kulturellen Unterschiede.

Sie wollen Deutsch lernen

Dann zeigt Braun Sadin aus Syrien und Behnaz aus Afghanistan was in einem bunten Osterei steckt. Ein bisschen wunderlich finden die Kinder den deutschen Brauch zwar, doch das Ei schmeckt ihnen.

Die geringsten Probleme mit den unterschiedlichen Sprachen haben die Kinder. Ganz gleich ihrer Herkunft fahren sie zusammen Rennen durch die Klassenzimmer, malen Seite an Seite Bilder und zeigen sich gegenseitig ihre selbstgebastelten Hasen. Das Kennenlernen sei aber nicht immer einfach, die Flüchtlinge sprechen meist nur wenig Deutsch und Englisch. „Verständigen können wir uns trotzdem“, berichtet Braun. Zur Not eben mit Händen und Füßen.

Nach diesem Prinzip gibt auch Wilhelm Kötter Deutschunterricht, während er einen Hasen aus Gips formt. Der 68-Jährige aus Wernswig hat Tarek, Awras und David zu dem Projekttag mitgenommen. Die drei sind Anfang 20, trotzdem macht ihnen das Basteln Spaß. Sie kommen aus dem Iran, sind erst seit sieben Monaten in Deutschland. Seit acht Wochen wohnen sie in der Gemeinschaftsunterkunft in Wernswig.

Eine Mutter ist mit ihren drei Kindern zur Kreativ-Werkstatt gekommen. Die Syrierin spricht nur Persisch, doch trotz der Sprachbarriere fühlt sie sich wohl. Zusammen backt die Familie Osterhasen und bestaunt die bunten Eier.

Braun ist sich sicher, dass das Projekt nicht nur für die Kinder wichtig ist. Sie erzählt von einem Vater, der mit seinen Kindern aus Afghanistan geflüchtet war. Anfangs sei er schüchtern gewesen, doch nun freue er sich auf die Treffen. Zusammen mit anderen Vätern und Kindern spielt er auch an diesem Projekttag Tischkicker. Fußball ist eben eine internationale Sprache.

von Marie-Luise Müller

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