Nachts gibt’s Taxen in Homberg nur noch auf Vorbestellung

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Sind sich einig: Die Taxibetreiber Herbert Geßner sowie Katrin und Alexander Meißner bedauern die eingeschränkten Fahrtzeiten und bitten um Verständnis.

Homberg. Nächtliche Taxifahrten sind in der Kreisstadt von montags bis donnerstags nur noch an Anmeldung möglich: Das sei die Folge des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns und der stark gesunkenen Nachfrage nach 21 Uhr, erklären die Homberger Unternehmer Herbert Geßner und Alexander Meißner.

Die Umsätze seien in den vergangenen Jahren so stark zurückgegangen, dass dieser Schritt unvermeidlich sei, sagen die beiden Taxiunternehmer. Seit Schließung der Homberger Bundeswehrkasernen, des Krankenhauses und der Notfallzentrale seien die Umsätze um die Hälfte gesunken.

Der Mindestlohn verschärfe die Situation weiter: Ein Fahrer koste das Unternehmen beim Mindeststundenlohn von 8,50 Euro pro Nacht 110,50 Euro brutto. Eine Summe, die unter der Woche niemals erreicht werde: Die Kosten für eine Stadtfahrt lägen bei sechs Euro, selten werde montags bis donnerstags nach 21 Uhr häufiger als vier Mal pro Nacht ein Taxi gerufen.

Aus all diesen Gründen haben sich die beiden Unternehmer nun dazu entschlossen, unter der Woche nachts nur noch auf Bestellung zu fahren. „Das ist für die Kunden umständlich, das kann ich verstehen“, sagt Alexander Meißner. „Aber für uns ist alles andere unrentabel.“

Was aus wirtschaftlicher Sicht gesehen vernünftig klingt, ist aber rechtlich nicht zulässig: Nach dem Personenförderungsgesetz sind Taxiunternehmen zum Fahren verpflichtet. Die Stadt Homberg hat deshalb die beiden Betreiber wegen der neuen Regelung des Fahrens nur nach Bestellung bereits verwarnt.

Die beiden Taxiunternehmer möchten nun, dass die Stadt die Satzung ändert. Laut einer Gesetzeslücke könne das es in wirtschaftlich schwachen Gebieten auf Antrag von der Stadt genehmigt werden, wenn es die wirtschaftliche Situation erfordere, sagen Meißner und Geßner. Und das sei in Homberg der Fall.

Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz kann die Situation der Taxiunternehmen verstehen, sieht aber auch die Probleme der Fahrgäste. Das sei ein echtes Dilemma. Denn. Eigentlich seien die Betriebe verpflichtet zu fahren, da sei das Recht eindeutig. Nach dem Personenbeförderungsgesetz müssten sie den dauerhaften Betrieb gewährleisten. Nur wenn der Bedarf nicht da sei, könnte die Stadt eine Befreiung von der Betriebspflicht aussprechen.

Die Stadt habe eine Ordnungswidrigkeit angedroht. Die sieht Ritz allerdings zunächst als eine ernsthafte Aufforderung ins Gespräch zu kommen. Keinem sei geholfen, wenn die Existenz der Unternehmen gefährdet sei.

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