Fahrer hatte Bus nicht kontrolliert

Schlafender Junge in Schulbus vergessen: 6-Jähriger befreite sich selbst

Fynn-Luca Kube wurde im Bus vergessen.
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Fynn-Luca Kube wurde im Bus vergessen.

Homberg. Ein Vorschüler, der am Freitag auf der Heimfahrt von Homberg nach Mörshausen im Bus eingeschlafen ist, wurde in dem Fahrzeug vergessen.

Als Fynn-Luca Kube etwa eine Stunde später in dem menschenleeren Schulbus der Firma Bonte auf einem Stellplatz an der Werner-von-Siemens-Straße im Homberger Industriegebiet aufwachte, befreite er sich selbst aus dem Wagen - auf abenteuerliche Weise.

Da die Türen geschlossen waren, suchte der Sechsjährige nach einem Ausweg und entdecke in einem Fach den Busschlüssel. Mit dem gelang es dem Knirps nach eigenen Angaben, den Bus anzustellen. „Dann leuchtete ein roter Knopf. Da war eine Tür drauf, und den habe ich gedrückt“, sagt Fynn-Luca.

Die vordere Tür habe sich geöffnet, der Junge lief über das Gelände, kletterte über einen hohen Zaun und gelangte zur Spedition E3. Dort wurde er von einem Lasterfahrer entdeckt. Kurz drauf erhielten Fynn-Lucas Eltern die erlösende Nachricht: Ihr Sohn wurde gefunden. Sie hatten ihren Jungen bereits gesucht und waren in großer Sorge.

„Wir haben Polizei, Schule und das Busunternehmen informiert“, sagt Jessica Kube. Vater Hans-Dieter Kube spricht von einem „massiven Fehler“ des Fahrers. „Er hätte den Bus kontrollieren müssen“, so der Vater. Die Polizei ermittele wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung, erklärt Walter Weber vom Polizeipräsidium Nordhessen. Und Landrat Winfried Becker findet klare Worte: „So etwas darf nicht passieren, da fehlt mit jegliche Zuverlässigkeit.“

Die Firma Bonte fahre im Auftrag des Kreises Schulkinder. Es sei nicht der erste Vorfall. Man müsse nun über die Folgen beraten. Es sei aber positiv, dass sich das Unternehmen entschuldigt habe. Die Sorge der Eltern verstehe er, zumal ein anderer Fahrer den Jungen vor einigen Wochen auf dem Armaturenbrett sitzend mitgenommen habe.

Hintergrund: Firma Bonte entschuldigt sich

Die Geschäftsleitung des Busunternehmens Bonte teilt in einer Pressemitteilung mit, dass man es bedauere, dass der schlafende Fynn-Luca Kube am Freitag im Bus übersehen wurde. „Wir haben die Familie besucht, uns in aller Form entschuldigt.“ Man werden dem Kind und seiner Familie jede mögliche Unterstützung zukommen lassen und eine Wiedergutmachung anbieten.

Die Fahrer würden angehalten, die Busse nach der letzten Haltestelle selbständig zu kontrollieren. Warum dies nicht geschehen sei, werde man lückenlos mit dem Fahrer klären. Es handele sich in dieser Art um einen erstmaligen Einzelfall in der 52-jährigen Geschichte des Unternehmens. 

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