Jagd als Ursache für Unfälle - Jäger Karl-Martin Bock kritisiert: Auf die Bewegungsjagd kann man verzichten

Karl-Martin Bock ist seit 60 Jahren dabei: Er jagt auf traditionelle Art mit Pirsch oder Ansitz. Viele Wildunfälle führt er auf zunehmenden Verkehr und die neuen Methoden der Jagd zurück. Foto: Gewert
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Karl-Martin Bock ist seit 60 Jahren dabei: Er jagt auf traditionelle Art mit Pirsch oder Ansitz. Viele Wildunfälle führt er auf zunehmenden Verkehr und die neuen Methoden der Jagd zurück.

Fritzlar. Ein Schuss ins Maisfeld. Die Kugel rast hindurch, findet keinen Halt. Das Reh flüchtet vor Hund und Kugel auf die Straße und rennt direkt vor ein Auto - die Folge ist nicht selten ein Wildunfall. Die Jagd, bei der die Tiere gehetzt werden, führe zu mehr Unfällen, sagt Jäger Karl-Martin Bock. Die Tiere sähen keinen anderen Ausweg, als zur Straße zu laufen.

„Der Verkehr hat sich auf das Fünffache erhöht. Das kann doch nicht gut gehen“, sagt der 74-Jährige. „Es gibt Reviere, da erledigt die Straße den Abschuss des Jägers.“

Forstdirektor Christian Foet und Kreisjagdberater Werner Wittich führten kürzlich in der HNA in einem Bericht 200.000 Wildunfälle im Jahr unter anderem auf wachsende Wildbestände und die veränderte Landwirtschaft zurück.

„Wenn Herr Foet erklärt, dass es trotz der hohen Zahlen an überfahrenem Wild noch genug Rehe im Wald gebe, klammert er 20 Tote, 615 Schwerverletzte und eine halbe Milliarde Versicherungsschäden aus. Da stelle sich die Frage der Jagdethik“, entgegnet Bock.

Laut Hessenjäger, einem Fachmagazin für die Jagd, seien 48.000 Fahrzeuge auf Autobahnen und 9000 auf Bundesstraßen im 24-Stunden-Rhythmus unterwegs. Die Wildtiere müssten diese überqueren. Der aufmerksame Autofahrer sei gefragt, so Bock. Hinzu komme, dass Menschen immer mehr Lebensraum der Tiere durch Geocaching und andere Aktivitäten in der Natur beanspruchten und diese in die entlegensten Winkel verdrängt würden. Drei Arten der Jagd fallen unter den Begriff Bewegungs-Jagd, der vor 25 Jahren noch unter den Begriff Treibjagd fiel: Raps-, Mais- und Bewegungs-Jagd, bei der das Wild in den einzelnen Jahreszeiten aus dem Feld gehetzt werde und in Panik auf die Straße laufe.

„Wenn das Umweltministerium und die Jägerverbände diese Art und Weise der Jagd empfehlen, wird billigend in Kauf genommen, dass Unfälle entstehen.“ Diese Form derDem Fleisch werde zudem der Bonuscharakter genommen, weil chemische Prozesse in dem Körper des Tiers durch die Hetzjagd ausgelöst würden, kritisiert Bock. Er ist der Meinung, es wäre besser, auf Bewegungs-Jagden zu verzichten. Staat und Jägerverbände sähen das Tierschutz- und Fleischhygiene-Gesetz mit der Jagd gerechtfertig.

Kritiker Bock dazu: „Das Tierschutzgesetz wird mit Füßen getreten und lässt sich nicht mit dem Fleischhygiene-Gesetz vereinen.“ Die Hundemeute im Feld reiße mehr Jungwild als geschossen werde. Seit 60 Jahren geht er auf die Jagd. Sein Revier umfasst 1500 Hektar. Er schießt traditionell: Auf dem Ansitz oder der Pirsch ziele er direkt auf das Wild, das sofort tot sei und nicht auf die Straße gehetzt werde.

Von Marie-Therese Gewert

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